Interview: Antonio Cairoli

· 5 Lesedauer

MX Vice Post-Race Podcasts: MXGP der Lombardei

Der Grand Prix der Lombardei – die fünfte Saisonstation der FIM Motocross Weltmeisterschaft 2019 – war eine nasse Angelegenheit. Antonio Cairoli hatte die Bedingungen aber zu jeder Zeit im Griff und gewann alles, was es zu gewinnen kam – zum dritten Mal in diesem Jahr. Damit konnte er seine WM-Führung auch auf 40 Punkte Vorsprung ausbauen, 13 Wochenenden stehen noch an.

MX Vice: Es war nass, wild und hat den ganzen Tag geregnet. Es hätte dumm ausgehen können, aber du hast genau all das gemacht, was du machen musstest. Das waren zwei perfekte Rennen für dich, oder?

Antonio Cairoli:Ja, genau. Gestern sind wir nach Mantova gekommen und die Strecke, die wir vorgefunden haben, war nicht wirklich Mantova. Es war alles ausgehärtet, an manchen Stellen konnte man schwarze Reifenspuren sehen, das ist nicht wirklich Mantova-typisch. Aber wir hatten ein gutes Qualfiying-Rennen und heute konnten wir gewinnen. Als wir heute Morgen aufgestanden sind, stand die Strecke unter Wasser. Da war mir von Anfang an klar, dass ich einen guten Start brauche und dass das der Schlüssel zum Rennen sein würde.

(ConwayMX)

Wir haben weiter gearbeitet, ein gutes Setup und eine gute Pace gefunden, sogar der Start hat geklappt. Ich konnte mich in beiden Rennen gut absetzen. Mit dem Speed war ich zufrieden. Ich bin glücklich, dass ich beide Male den Holeshot erreicht habe. Keine Fehler in beiden Rennen – und die waren sehr, sehr leicht zu machen. Die Strecke war sehr, sehr schwierig. Ich glaube ich bin in meinem ganzen Leben noch nie auf so einer zerfurchten Piste gefahren. Ich denke, dass wir insgesamt zufrieden sein können heute.

Gehen wir mal zu heute Morgen zurück: Du hast da im Warmup die Google-Lane probiert – der neuen Durchfahrt, um die Brille wechseln zu können. War das der Plan, falls du im Rennen einen schlechten Start erwischst, dass du da vorbereitet bist?

Ja natürlich! Wir dürfen jetzt diese Goggle-Lane verwenden. Wir haben einfach alles gecheckt, damit wir auf alles vorbereitet sind und alles läuft, wie es laufen soll. Glücklicherweise haben wir das im Rennen nicht gebraucht. Ich hatte in beiden Läufen klare Sicht. Ich war vorn und hatte damit kein Problem mit der Brille. Du musst immer auf alles vorbereitet sein, wenn die Strecke in so einem Zustand und das Wetter so schlecht ist.

Wenn etwas Neues kommt, weiß man ja immer nicht, wie es sich ausgehen wird, aber bei deinem Test-Lauf im Warmup hat es sich gezeigt, dass die Goggle-Lane eine gute Idee ist, denn du warst dort ziemlich schnell durch.

Ja! Wir hatten da eine kleine Wette mit Jorge [Prado] laufen, er hat das auch probiert. Er hat um die zwanzig Sekunden oder so gebraucht. Ich habe es viel schneller durchgeschafft. Das war unsere Wette und er hat sie verloren. Er hat das Motorrad gewürgt. Du musst halt vorbereitet sein, wenn so etwas wie heute passiert. In die Boxengasse zu fahren, wo so viele Leute rumspringen und dies und jenes ist immer etwas knifflig und gefährlich. Daher denke ich, dass die Goggle-Lane eine gute Idee ist. Da gibt es Nichts verwerfliches daran. Es ist einfach eine gute Idee, so eine Stelle zu haben, die du anfahren und deine Brille wechseln und wieder raus gehen kannst, das ist also eine gute Sache.

(ConwayMX)

Trentino ist lange her, um die fünf Wochen – und du bist einer von wenigen, die keine nationale Meisterschaft nebenher fahren. War es für dich dieses Wochenende dann schwierig, wieder einen Rhythmus zu finden?

Gestern war der Rhythmus ziemlich hart, denn die Strecke war an manchen Stellen alles andere als einfach. Ziemlich schwierig einzuschätzen und platt. Wir mussten richtig pushen. Heute war es auf eine Art, körperlich, etwas einfacher, denn man musst einfach sauber und geschmeidig fahren und durfte keine Fehler machen. Da war kein großer Unterschied zu spüren. Manchmal ist es besser, noch ein paar Rennen dazwischen zu haben, du kannst Starts üben und die Race-Pace hoch halten. Nicht hinter dem Gatter zu stehen ist nicht einfach, aber wir haben es hinbekommen. Wir hatten Glück, dass das Wetter so war, wie es war. Wir mussten technischer fahren, anstatt die ganze Zeit zu attackieren.

Ich weiß nicht, wie du das siehst, aber ich würde sagen, dass das Qualifying-Rennen gestern dein bestes Rennen des Jahres bisher war. Zumindest vor heute. Du warst zwar in Führung und hattest einen guten Vorsprung, hast aber die ganze Zeit Druck gemacht und die besten Runden- und Sektor-Zeiten gefahren. Dich konnte Nichts und Niemand aufhalten…

Ja, ich hatte in diesen fünf Wochen eine gute Pause. Wir konnten uns im Training auch mit Jorge pushen. Wir fahren immer zusammen – er gibt die ganze Zeit Vollgas. Das hilft mir im Training nicht einzuschlafen. Wir pushen die ganze Zeit, weil er so Druck macht, muss ich die ganze Zeit auf der Hut sein. Das ist eine gute Sache. Es fühlt sich immer wie ein Rennen an. Scheinbar haben wir auch in dieser fünfwöchigen Pause nichts von unserer Rennpace verloren.

(ConwayMX)

In Trentino, als wir uns das letzte Mal gesehen haben, bist du etwas gehumpelt. Du hattest dir im zweiten Rennen das Fußgelenk ziemlich hart angeschlagen. Musstest du da noch etwas unternehmen? Ist jetzt wieder alles gut?

Ich habe zehn Tage lang mein Knie geschont und es ist noch nicht wieder hundertprozentig gut, aber ich denke, dass das eher am Alter liegt und das macht es nicht gerade besser. Ich muss das Knie Morgens eine ganze Weile lang aufwärmen. Ich hoffe, dass ich die Saison ohne weitere Probleme oder ärztliche Eingriffe zu Ende fahren kann. Ich denke, dass es okay sein wird.

Die Pause ist abgehakt, jetzt geht die Saison richtig los: Drei Rennen hintereinander, dann noch mal drei. Freust du dich, dass es jetzt Schlag-auf-Schlag geht?

Ja natürlich! Jetzt drei Rennen. Mantova ist eine tolle Strecke, dieses Rennen macht mir Spaß. Auch Portugal mag ich sehr. Frankreich gehört nicht zu meinen Lieblingsstrecken, aber wir können auch dort versuchen, etwas Gutes zusammenzubekommen. Wir werden sehen. Es ist schöner wenn man Rennen nach Rennen fährt, als zu Hause zu sitzen und auf den nächsten Lauf zu warten.

Interview: Lewis Phillips | Fotos: ConwayMX | Übersetzung: Toni Börner

Wir benutzen Cookies! Mit dem Nutzen dieser Website, erklären Sie sich mit unseren Cookies einverstanden!
Mehr
Fantasy MX Manager
Play & Win Prizes!