Interview: Jorge Prado

· 6 Lesedauer

MX Vice Post-Race Podcasts: MXGP der Lombardei

Jorge Prado hat – wenig überraschend – den Grand Prix der Lombardei dominiert. Es scheint, als ob er einfach allen Bedingungen trotzt und jedes Wetter, jeden Boden im Griff hat. Von außen sollte man davon ausgehen, dass er vor Selbstvertrauen strotzt und das mit jedem Wochenende nur weiter wächst. Doch in Mantova zeigte sich Prado vor dem ersten Lauf mehr als nervös.

MX Vice: Die Bedingungen haben es heute spannend gemacht. Es hätte leicht schief gehen können, doch für dich ist wieder alles zusammen gelaufen. Ein weiterer Doppel-Sieg, ein weiterer perfekter Tag.

Jorge Prado:Ja, so kann man das sagen. Ich bin heute Morgen aufgewacht und es hat geregnet. Wir hatten gestern schon gewusst, dass es heute regnen können und dann hat es den ganzen Tag lang durchgeschifft. Letzte Nacht war ein richtiger Wolkenbruch. Als ich heute aufgestanden bin, habe ich als erstes Gedacht: Das wird ein Lotto! Der Start war für alles grundlegend entscheidend. Wenn du einen guten Start hast und oben bleibst… Und sitzen bleiben war dieses Wochenende unglaublich schwierig, mit all den Furchen und Rillen, besonders in den Landungen, denn wenn du in einer Spurrille landest, kannst du ganz schnell das Gleichgewicht verlieren.

(ConwayMX)

Das Wichtigste war einen guten Start zu erwischen, darauf habe ich mich konzentriert. Ich bin zwei Mal gut gestartet und zwei Mal sitzen geblieben. Es war ein schwieriger Tag, denn in dem Rennen war auch Konzentration sehr wichtig. Es war schwer, sich 35 Minuten lang hundertprozentig zu konzentrieren bei all den Spurrillen und Furchen und mit all den kleinen Fehlern, die man auf einer Runde machen kann. Es war ein großartiges Wochenende.

Irgendwelche Probleme da draußen? Ich habe nur das an der Boxengasse gesehen – da bist du fast aus der Strecke raus gefallen. Noch irgendwas?

Nein, das war’s. Ich glaube das war in Runde zwei oder drei, als ich an Tom [Vialle] vorbei war. Im zweiten Lauf bin ich drei Runden vor Schluss gestürzt – hatte aber 16/17 Sekunden Vorsprung auf Rang zwei. Ich hatte mich gut gefühlt und dachte, dass ich noch etwas schneller kann. Ich bin im Waschbrett das ganze Rennen lang ziemlich gut gewesen und kam da raus und dann ging das Heck rum.

Ich konnte es nicht halten und bin gestürzt, konnte aber richtig schnell wieder aufstehen. Das Motorrad sprang auch sofort wieder an. Ich konnte aber den nächsten Sprung kaum springen und habe mir nur gedacht: ‚Schmeiß es jetzt nicht weg, es ist fast geschafft!‘. Es war gut, ich hatte Vorsprung. Ich weiß jetzt auch für die nächsten Rennen, dass es besser ist, einen Vorsprung zu haben – nur um für den Fall der Fälle in den letzten Runden gewappnet zu sein.

Das hört sich nach einem krassen Sturz an. War er schlimm?

Nein, der war nicht schlimm, sonst hätte ich das Rennen ja nicht so zu Ende fahren können. Das Motorrad ist einfach quer gekommen und ich bin irgendwie runter gerutscht, das ging schon. Ich hab das Motorrad genommen, es war nichts beschädigt, nicht einmal die Griffe oder Hebel. Nur die Handschuhe waren schmutzig, daher ist mir auf den letzten zwei Runden immer die Hand abgerutscht. Aber es ging.

(ConwayMX)

Was sagst du zu den Bedingungen an diesem Wochenende? Wenn das eine Strecke mit härterem Boden gewesen wäre, dann wäre es wieder so wie in Indonesien vor zwei Jahren geworden – aber da hier Sand ist, war es nicht ganz so hart und schwer. Es gab halt nur eine Linie, technisch anspruchsvoll und mit tiefen Furchen, richtig?

Es gab schon seit gestern nur noch eine Linie. Ich bin hier das International Italia schon gefahren und da hat es auch geregnet. Damals war es schon schlimm, aber es gab ein paar verschiedene Linien. Gestern – ich weiß nicht. Mir haben die gemachten Änderungen nicht gefallen. Die haben einiges raus genommen. Es gab wirklich nur noch eine Linie. Als ich beim International hier gefahren bin, war das ganz anders. Viele Furchen und tiefe Rillen. Das war aber im Winter, damals gab es eben verschiedene Optionen. Dieses Wochenende gab es eigentlich gar keine Überholmöglichkeiten.

Aber die Vorbereitungen… Einige Kurven haben sie extrem eng gemacht, damit war der ganze Flow dahin. Ich glaube von uns Fahrern hatte am Samstag niemand so richtig Spaß mit der Strecke. Heute war das anders, denn mit dem ganzen Regen hat es dann wieder Spaß gemacht. Ich hatte im zweiten Rennen auf jeden Fall richtig Spaß. Da ist es etwas aufgetrocknet und die Furchen wurden besser, trotzdem war die Strecke noch ziemlich knochig. Die Rillen waren extrem lang und wellig. Es war schwierig.

Wenn wir schon von Optionen und Wahlmöglichkeiten sprechen: Hast du heute in Erwägung gezogen, die Goggle-Lane zu nutzen? Du warst die ganze Zeit vorn, aber hattest du einen Plan, falls du das brauchen würdest?

Ja klar! Die Goggle-Lane ist großartig! Du kannst dort ran fahren, diene Brille schnell wechseln und bist schnell wieder im Rennen. Das ist ein tolles System, welches sie dieses Jahr eingeführt haben. Ich bin wirklich froh, dass wir diese Durchfahrt zum Brillewechseln haben und so ist es auch sicher. Du bist nicht Mitten auf der Strecke oder in der Boxengasse zwischen all den Fahrern, das macht es alles klarer. Du kannst schnell rein und wieder raus.

(ConwayMX)

Wenn du es jetzt Mal mit dem letzten Jahr vergleichst: Du hast letztes Jahr viele Rennen gewonnen, besonders am Ende, und jetzt machst du das auch wieder. Allerdings scheint es von außen, dass dir das dieses Jahr alles leichter fällt. Bist du auf jeder Runde einfach entspannter? Oder am Start? Fühlt es sich einfacher an?

Überhaupt nicht. Eigentlich war ich dieses Wochenende ziemlich – naja, vielleicht nicht nervös, aber ich wusste, dass der Start wichtig wird. Ich wollte den gut hinbekommen. Letztes Jahr bin ich im Schlamm ziemlich gute Rennen gefahren, vor zwei Jahren hatte ich bei solchen Bedingungen Probleme. Das ist mir alles durch den Kopf geschossen und ich habe erwartet, dass es schwierig wird. Trotzdem habe ich mich gut gefühlt. Ich habe mich in den letzten zwei Jahren sehr verbessert und kann mich jetzt in allen Bedingungen wohl fühlen.

Wie schon gesagt: Der Start war der Knackpunkt zu diesem Rennen und dann saubere Runden. Ich war dieses Wochenende doch ziemlich nervös, damit ich ein gutes Rennen hin bekomme, denn es war schwierig. Es ist auf einer solchen Strecke immer schwierig. Beim Überholen schon, da kannst du wählen, ob du durch den Schlamm oder durch das Wasser fährst. Da reißt es dich immer quer. Das ist gefährlich. Dieses Jahr bin ich einen Schritt weiter. Wir trainieren mit Tony [Cairoli] sehr hart. Wir machen jede Woche Schritte nach vorn.

Auch gut: Dir fehlen auf die Rote Nummer nur noch sieben Punkte. Das kam jetzt ziemlich schnell, wenn man nur einen Monat zurück denkt.

Ja! Vor diesem Wochenende war ich 20 Punkte hinten, jetzt nur noch sieben. Darüber kann man doch zufrieden sein. Ich hoffe auch in Portugal auf zwei gute Rennen, sitzen bleiben ist wichtig. Die Saison ist lang. Ich hoffe, dass wir uns die Rote Nummer so schnell es geht scihern können, denn ich fühle mich einfach besser, wenn meine Startnummer rot unterlegt ist. [lacht]

Interview: Lewis Phillips | Fotos: ConwayMX | Übersetzung: Toni Börner

Wir benutzen Cookies! Mit dem Nutzen dieser Website, erklären Sie sich mit unseren Cookies einverstanden!
Mehr
Fantasy MX Manager
Play & Win Prizes!