Interview: Ben Watson

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Ben Watson hatte im Regen in Mantova beim Grand Prix der Lombardei Großes vor, aber es hat nicht sollen sein. In beiden Rennen startete er hinten und musste Schadensbegrenzung betreiben. Mit zwei 13. Rennplätzen, schloss er die Tageswertung auf Rang zwölf ab.

MX Vice: Nicht dein Tag oder? Du warst nie in der gewünschten Position, bist beide Male von hinten gekommen. Es hat hier einfach nicht sollen sein, oder?

Ben Watson: Für mich war es richtig komisch, ja. Im ersten Rennen hat es im Schlamm durchgedreht, da war ich Letzter. Die Strecke ist eh schon eng und dann mit diesem Wetter gab es nur noch eine Linie. Mein Fehler am Start hat zwar das Rennen nicht ruiniert, es aber schwierig gemacht. Dann bin ich beim Versuch aufzuholen noch zwei Mal gestürzt. Ich habe mich noch auf 13 vor gekämpft, das war aber für mich und das Team eine große Enttäuschung. Ich habe dann zum zweiten Rennen geschaut, denn irgendwie ist das ja genau mein Wetter.

Hier bin ich normalerweise auch stark, besonders auf solch technischen Pisten. Im zweiten Renne bin ich ans Gatter gefahren. Ich wollte einfach das erste Rennen vergessen machen und aufzeigen – war dann aber viel zu früh und bin dagegen gefahren. Also war ich wieder Letzter. Abgeschlagen Letzter. Ich kam gut durch, hatte aber ein Kupplungsproblem – das gleiche wie am Samstag und in Arco. Das lag nicht in meiner Hand und ich weiß nicht, was es war.

Die Aufholjagd war schwierig, aber ich bin sitzen geblieben und wurde wieder 13. Wieder eine große Enttäuschung. Das war mein schlechtestes Wochenende, seit ich für Yamaha fahre. Ich glaube, dass sind solche Wochenenden, die dich als Fahrer wachsen lassen, an denen du stärker wirst. Ich konzentriere mich jetzt einfach auf Portugal.

Ich habe auch gedacht, dass das dein Wetter ist. Aber es war kein Schlamm, sondern nasser Sand, nur eine, tiefe Linie, technisch anspruchsvoll. Außerdem war es fest gefahren…

Für den Regen, der hier gefallen ist – und es hat ja den ganzen Tag nicht aufgehört – war es viel trockener, als man das von draußen sehen würde. Es war sehr komisch. Am Samstag war alles extrem hart und festgefahren und die Wellen waren nicht so, wie sie sich normalerweise unter den Motorrädern entwickeln.

Es wurde immer schlimmer. Wenn du etwas aus der Kurve raus getragen wurdest, ist das Motorrad fast stehen geblieben. Die Oberfläche war extrem schwer und darunter war es hart. Daher war der Start so wichtig. Das hat man heute auch an anderen Rennen gesehen, Jungs die sonst schneller durchs Feld kommen, hatten ihre Mühen. Ich muss jetzt hier aus den Problemen und Fehlern lernen – habe aber auch keine Entschuldigungen. Ich muss es einfach besser machen.

[Jorge] Prado sagt, dass ich keinen Fahrer finden würde, dem die Strecke gefallen hätte – ich glaube dir geht es ähnlich, oder?

Die Strecke hätte schlammiger sein sollen, man hätte sie nicht so austrocknen lassen dürfen. Es hätte nass sein sollen und es hätten Linien entstehen müssen. Aber es gab nur eine Linie. Es hätte sich jeder einfach vor setzen und mit einer halbwegs anständigen Pace diese Linie sperren können. Das war alles komisch und so sahen auch die Rennen aus.

Heute hat irgendwie keiner Spaß gehabt. Als ich durch Social Media gescrollt habe: Da sagen so viele Leute, dass es schlimm aussieht und dass das hier keine GP-Strecke ist und die Vorbereitungen schlecht sind. Die haben hier die Kurven umgebaut und fast rechtwinklig gemacht – du konntest das Motorrad nicht umlegen oder Schräglagen fahren, geschweige denn außen rum Schwung holen.

Es ging einfach nur darum, dem vor dir zu folgen. So ist es eben. Die Strecken werden für uns vorbereitet und wir müssen sie so fahren, wie sie sind. Das ist aber für alle gleich und für mich auch keine Entschuldigung, warum mein Wochenende so schrecklich war. Du musst eben in allen Punkten stark sein und das wäre dieses Mal der Start gewesen.

Das wäre meine nächste Frage gewesen: Vor der Pause waren Starts deine Stärke. Heute nehmen wir da Mal raus. Hast du im April da weiter gearbeitet und Fortschritte gemacht?

Ja definitiv, daran habe ich gearbeitet. Wir sind an dem Punkt, wo alles kleine hilft. Alle arbeiten hier sehr hart und etwas zu finden, dass du von schlimmen Starts direkt nach vorn donnerst ist viel Arbeit. Das kommt nicht über Nacht. Wir arbeiten an mir selbst, denn ich bin da noch nicht gut genug. Das sind nicht nur die anderen Sachen, mit denen ich Probleme habe.

Im ersten Rennen habe ich die Kupplung schnipsen lassen und es ist durchgedreht. Ich habe beim Start eine ziemlich aggressive Technik. Im zweiten bin ich gegen das Gate gefahren. Ich weiß nicht, ob ich dieses Wochenende bessere Start hätte hinbekommen. Im Qualifying-Rennen war der nicht schlecht, da war ich nach den ersten Kurven Sechster oder Siebter. Das war besser als in den letzten Rennen, aber es gibt immer Raum für Verbesserungen.

Hast du in der Pause auch an anderen Dingen gearbeitet?

Ja, ich musste mein Visum für Russland abholen und war dort ein paar Tage ohne Motorrad unterwegs. Dann bin ich mit meinem Bruder ein paar Tage Trial gefahren, das hat Spaß gemacht. Da ging es einfach um Spaß haben und es war ein gutes Training. Es ist technisch und du fährst ja immer noch ein Motorrad.

Letztes Jahr bist du in Portugal erstmals schnellste Runden und schnellste Sektoren gefahren, da ist alles zusammengelaufen. Da kannst du jetzt beruhigt hin, oder?

Ja! Jedes Mal wenn ich in Portugal war, konnte ich glücklich da wieder weg fahren. Letztes Jahr konnte ich das erste Mal richtig zeigen, was ich kann. Ich habe das Podest nur um einen Punkt verpasst. Da war ich mit einem vierten Platz mal richtig zufrieden, denn das Ergebnis war mir nicht so wichtig, als wie ich in insgesamt gefahren bin. Ich bin immer zuversichtlich, wenn es nach Portugal geht, ich mag diese Strecke. Ich muss jetzt dieses Wochenende abhaken, meine Lehren daraus ziehen und positiv bleiben, wenn wir nach Portugal kommen, denn ich weiß, dass ich es dort kann.

Interview: Lewis Phillips | Fotos: ConwayMX | Übersetzung: Toni Börner

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