Interview: Jeremy Van Horebeek

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Jeremy Van Horebeek hat in der FIM Motocross Weltmeisterschaft 2019 nicht nur ein Mal im Mittelpunkt gestanden, wenngleich es Anfang April einen heftigen Rückschlag gab. Van Horebeek musste sich an der Schulter operieren lassen und musste danach einen Monat lang pausieren. Derzeit befindet er sich wieder in der Aufbauphase um in naher Zukunft wieder an der Spitze mitzumischen. Im exklusiven MX Vice Interview spricht er offen über den aktuellen stand.

MX Vice: Wieder ein ruhiges Wochenende für dich, aber ich glaube, dass man das so stehen lassen kann wenn man sechs Wochen zuvor an der Schulter operiert wurde. Wie läuft der Genesungs- und Wiederaufbauprozess?

Jeremy Van Horebeek:Nun, normalerweise hätte ich sechs Wochen lang gar nicht fahren dürfen. Es ist ein Aufbauprozess, eine schwierige Zeit und ein heftiger Rückschlag nach diesem perfekten Saisonstart. Es ist, wie es ist. Wir müssen es Schritt für Schritt angehen und uns zurück kämpfen. Heute war ein solider Tag. Zwei Mal Zwölfter ist nicht übermäßig gut, aber unter den gegebenen Umständen und mit einer Strecke, die echt harte Schläge hatte, war es mit der Schulter nicht einfach. Wir sind auf dem Weg zurück. Die Top-Ten sind nicht weit. Wir werden auf das hier aufbauen. Ich hoffe, dass ich Frankreich halbwegs vernünftig überlebe und werde dann eine Woche haben, um mich auszuruhen und ein paar Sachen ausprobieren. Von Anfang an haben wir nicht einen Tag getestet.

(ConwayMX)

Über deine Schulterverletzung hat man nicht viel erfahren. Magst du uns erklären, was da alles los war? Passiert ist es ja in Trentino, aber wann war dann die Operation? Und wann hast du wieder auf dem Motorrad gesessen?

In Trentino habe ich im zweiten Lauf den Motor kaputt gemacht, in der Folge bin ich nach vorn über den Lenker abgestiegen. Ich wusste sofort, dass irgendwas nicht in Ordnung war, denn ich habe den Knochen raus stehen sehen. Ich bin am Montag zum Spezialisten und wurde am Dienstag operiert. Am dritten Tag habe ich dann wieder mit Training begonnen, aber nur auf dem Fahrrad und der Rudermaschine. Eigentlich sollte ich zwei Wochen lang gar nichts machen. Es war eine komplizierte Operation und nicht nur ein einfacher Schlüsselbeinbruch.

Es war eine Bänderverletzung, aber wir haben drei Tage danach schon schneller und härter wieder trainiert, als wir sollten. Vier Wochen danach, in der Woche vor Mantova, bin ich zwei Mal gefahren. Die Schmerzen waren erträglich, aber ich bin auch auf flachen Strecken gefahren. Eigentlich war es gar nicht so schlecht, aber Mantova war ein Desaster – mit all den Stürzen am Start und dem Schlamm. Das war eine harte Woche. Ich habe danach aber wieder zwei Mal auf dem Motorrad gesessen. Wenn man sieht, was innerhalb einer Woche alles passieren kann, bin ich davon ziemlich begeistert. Hoffentlich geht es bald wieder in die Top-Ten, normalerweise schon nächste Woche. Aber die Top-Fünf brauchen noch ein paar Wochen.

(ConwayMX)

Ist es nicht auch ein Risiko, dass es mit der Schulter dadurch wieder schlimmer wird? Machst du dir da gar keine Sorgen?

Normalerweise sollte man damit sechs Wochen lang nicht fahren. Das ist mein eigenes Risiko. Ich war beim Physio und sie ist einfach nicht stark genug. Ich hatte ziemlich viel Glück bei den Startunfällen und auch gestern… es ist gefährlich, denn das sind die Situationen, in denen du dich verletzen kannst. Momentan wird es nicht schlechter, weil alles hinhaut, aber auf der letzten Runde des ersten Laufes habe ich etwas gemerkt. Ich habe das dann auch im zweiten Lauf gemerkt und ich hatte weniger Kraft als normal, aber momentan ist das dann eben nur eine wunde Schulter und nichts Ernstes. Ich glaube, dass die Schulter stark genug ist, um richtig bald zurückzuschlagen.

Seit wir wieder in Europa sind, haben wir uns noch nicht unterhalten. Dein Team hat jetzt richtig einen Flow so nach sechs Wochenenden. Welche Probleme gibt es bei euch? Oder gibt es ein Großes? Wie ist das, mit einem so kleinen Team zu arbeiten, was hast du vielleicht nicht erwartet? Wie bekommt deine Mannschaft alles hin?

Es ist ein wundervolles Team. Es ist schwierig, weil wir kein großes Budget haben. Man muss sich vor Augen halten, dass wir vielleicht 150.000 Euro für eine ganze MXGP-Saison haben und manch andere Teams haben ein paar Millionen. Das ist schwer, aber ich habe Spaß an den Rennen. Ich genieße die Zeit mit dieser Familie hier. Das einzige, was im Moment vielleicht nicht gut läuft ist, dass wir bisher keinen einzigen Test gefahren sind. Wir haben ein paar Sachen probiert, ein paar kleine Sachen und auch heute hatte ich in jedem Heat etwas anderes zur Verfügung. Ich probiere die Dinge in den Rennen und das ist schwer.

Der Plan war eigentlich in dieser fünfwöchigen Pause das Motorrad richtig aufzustellen, aber das konnten wir dann nicht, weil ich verletzt war. Das Bike ist richtig gut. Ihr habt ja gesehen, dass die Ergebnisse am Anfang richtig gut waren – aber was man nicht gesehen hat war, dass ich echt Mühe hatte. Man sieht nur das Podest oder die Top-Fünf – aber ich hatte die ganze Zeit echt Schwierigkeiten. Noch immer. Mit ein wenig mehr Budget von Honda im nächsten Jahr wäre das echt gut und dann würde ich auch noch ein Jahr bleiben. Ich bin glücklich.

(ConwayMX)

Ich schätze mal, dass das eines der Probleme ist: Wenn du mit Yamaha hier wärst, würden die sagen: Schau, vor zwei Jahren haben wir diese Abstimmung probiert und die hat funktioniert, lass uns da hin zurück gehen. Du bist noch nie zuvor eine Honda gefahren und kannst daher auf keine alten Daten zurückgreifen – sondern musst einfach mit jedem mal Fahren herumprobieren…

Ja genau. Das große Problem ist das Budget, wenn wir können unsere Motoren auch nicht zu einem Tuner schaffen. Wir können ein paar Pro Circuit Teile kaufen und die verbauen – aber diese Teile kann jeder kaufen. Wir haben andere Kolben und eine andere Nockenwelle und das war’s dann auch. Anderer Auspuff noch. Glücklicherweise ein Fahrwerk von KYB. Das ist mir wichtiger, als der Motor. Wir werden bald etwas testen. Wir schaffen das. Ich hoffe, dass ich schnellstmöglich wieder in die Top-Fünf fahre. Unter allen Umständen betrachtet ist das, was ich jetzt mache, schon gut.

Interview: Lewis Phillips | Fotos: ConwayMX | Übersetzung: Toni Börner

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