Interview: Jeremy Seewer

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Neue Schnäppchen auf 24MX!

MX Vice Podcasts: MXGP von Lettland

Jeremy Seewer ist in der Weltspitze angekommen. In Lettland unterstrich er, dass sein erstes Grand-Prix-Podest in Russland keine Eintagsfliege war. Er zählt absofort zu den Sieganwärtern. Es ist erst seine zweite Saison in der MXGP.

MX Vice: In den letzten beiden Wochen ist richtig Schwung bei dir rein gekommen. Du warst auf dem Podest, hast fast ein Rennen gewonnen. Wir sehen endlich, wo du wirklich hin kommen kannst.

Jeremy Seewer:Ja genau. Es war ein harter Weg hier her, besonders mit meiner Lungeninfektion vom Winter, die mich ziemlich zurück geworfen hat. Ich wusste das, darum musste ich es locker angehen. Ich baue auf und hier bin ich jetzt. Ich habe etwas gebraucht, um mich an die 450F zu gewöhnen. Ich hatte letztes Jahr schon großartige Rennen dabei, aber hatte trotzdem immer Probleme, habe mit dem Motorrad gekämpft und keinen Flow gefunden. Es scheint, dass dieses Team jetzt mein Paket gefunden hat. Es funktioniert besser und ich kann das Motorrad fahren, wie ich es will. Seit Agueda ist es besser geworden.

(ConwayMX)

Ich habe das Podest auf der letzten halben Runde verpasst, aber Romain Febvre war einfach stark. Ich hatte die Tür offen und er ist richtig aggressiv durch gekommen. Wir sind beide fast gestürzt, aber That’s Racing. Wir sind mit anderthalb Sekunden Zeit übrig über die Ziellinie gefahren, mussten also noch eine Runde mehr fahren. Es ist schade, dass ich das Podest verpasst habe, aber eigentlich interessiert mich das gerade nicht so sehr. Ich habe gut Punkte gesammelt und freue mich auf die nächsten Rennen. Es ist fast Halbzeit und ich bin jetzt gut in Form.

Einige dürften nach Russland überrascht gewesen sein, dass du auf Gesamtrang vier liegst. Du könntest dieses Jahr noch WM-Bronze holen – und das nicht, weil sich andere verletzt haben – du bist jetzt einfach so gut.

Ja das bin ich, ich bin Dritter. Trotzdem interessiert mich das nicht. Nach Russland war ich Vierter, jetzt bin ich wieder einen vorgerückt.  Wir haben heute aber auch gesehen, wie schnell es gehen kann. Letzte Woche in Russland haben sich schon viele verletzt. Das ist natürlich nicht schön, aber da sieht man auch, dass wir alle auf einem extrem hohen Level sind, wo dich schon der kleinste Fehler teuer zu stehen kommen kann. Das ist mir bewusst, aber ich mach einfach mein Ding. Ich habe eine tolle Crew für die ich sehr dankbar bin.

(ConwayMX)

Ich habe wieder Freude am Rennenfahren. Ich bin dort, wo ich hin wollte. Es hat sich großartig angefühlt, erstmals einen MXGP-Lauf anzuführen. Natürlich muss ich jetzt nach vorn schauen und mehr davon liefern, muss aber trotzdem auf dem Boden bleiben. Ich kenne diese Klasse: Alle sind so verdammt schnell und wenn du nur mal nicht bei der Sache bist oder den Start verpasst, bist du Achter. Das musst du akzeptieren, denn das ist die 450-Klasse. Du kanns tnich immer Dritter oder Fünfter werden. Alle sind so schnell, dass es schwer ist, den Unterschied auszumachen.

Stürze. Im ersten Lauf bist du am Table nach dem Waschbrett fast heftig abgeflogen, du bist von der Fußraste abgerutscht. Das sah schlimm aus…

Das war es. Das war aber die einzige Schrecksekunde am ganzen Wochenende, da hatte ich Glück. Ich bin ziemlich big gedroppt. Die linke Seite am Absprung war niedriger, als die rechte, das hatte ich nicht erwartet. Ich bin an dem höheren Part mit der Fußraste hängen geblieben, das hat natürlich einen Kick gegeben. Ich habe es aber gestanden, wenngleich mit dem Einsatz aller Kräfte. Ich glaube, das hat viel schlimmer aus gesehen, als es war. Ich hatte Glück – und da bin ich dieses Wochenende nicht der Einzige.

(ConwayMX)

Im zweiten Lauf hast du geführt und das war das erste Mal in dieser Klasse. Warst du überrascht?

Ehrlich gesagt war es ziemlich komfortabel für mich, denn ich war in meiner Wohlfühlzone. Das Motorrad hat funktioniert, ich war relaxt, hatte einen guten Flow. Wenn du auf dem Level bist, fühlt sich das normal an. Wenn du nicht dort bist, ist es schwer, da hin zu kommen. Natürlich versuchst du, Zeit zu finden. Das ist ein großes Puzzle. In dem Rennen hat es sich toll angefühlt, ich habe nicht mal irgendwelche Risiken genommen. Keine Fehler. Ich bin sauber gefahren. Die Pace ist aber unglaublich hoch, aber wenn du die hast ist alles möglich.

Es kommt langsam alles zusammen und geht in die richtige Richtung. Fahrer sprechen meist nicht über Ziele, aber ein Laufsieg, ein GP-Sieg – das sollte dir doch für die nächsten neun verbleibenden Rennen im Kopf rum schwirren?

Es ist möglich, das habe ich heute gesehen. Einen Moment lang habe ich an meine Sieg geglaubt. Aber die anderen waren auch stark, wie Tim Gajser und am Ende Romain. Alles ist möglich. Ich kämpfe um die Top-Fünf, das ist mein Ziel und bleibt es auch. Ich werde nicht sagen, dass ich jedes Wochenende auf das Podest will, ich peile die Top-Fünf an. Die letzten Wochen sind da besser gelaufen, was toll ist. Wir müssen jetzt sehen, wie es weiter geht, ob ich die Chance auf einen Sieg bekomme – das habe ich heute ja auch versucht! Es hat nicht funktioniert, aber ich werde das sicher schaffen.

Interview: Lewis Phillips | Fotos: ConwayMX | Übersetzung: Toni Börner

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