Interview: Tim Gajser

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Neue Woche, neuer Sieg für Tim Gajser. Wie der Ex-Weltmeister und WM-Leader im letzten halben Jahr das Ruder herumgerissen hat ist schwer beeindruckend – und bekommt prinzipiell nicht einmal die Aufmerksamkeit, die es verdienen würde. Gajser hat nun fünf GPs in der Gesamtwertung in Folge gewonnen. Gajser unterhielt sich in Teutschenthal nach dem Grand Prix von Deutschland mit MX Vice.

MX Vice: Perfektes Wochenende! Du hast in allen Sessions nahezu nach Belieben dominiert. Ein paar kleine Fehler hier und dort, aber nichts gravierendes – der Ausrutscher in Rennen 1 einmal außer Acht gelassen. Ein Wochenende, wie du es dir vorgestellt hast?

Tim Gajser: Ja genau. Ich hätte mir kein besseres Wochenende vorstellen können. 1-1 ist einfach unglaublich. Im ersten Rennen habe ich am Anfang einen Fehler gemacht. Nichts gravierendes, mir ist das Vorderrad weg gerutscht und ich bin gestürzt. Ich konnte aber schnell weiter fahren und war bald wieder in Führung – und habe mich dann noch zwölf Sekunden abgesetzt.

(ConwayMX)

Bist du es im zweiten Rennen ruhiger angegangen? Du hast einfach deine zwei, drei Sekunden Vorsprung verwaltet – zumindest sah das so aus.

Stimmt genau. Die Strecke war ziemlich tief zerfurcht, da waren Fehler schnell gemacht und ich wollte mich nicht selbst überrumpeln. Ich fuhr in meiner Wohlfühlzone. Als ich mich abgesetzt hatte, so um die fünf Sekunden, habe ich dann nur noch kontrolliert. Außerdem stand die Sonne ziemlich tief und da hast du in der Triple-Section fast nichts gesehen. Ich bin im zweiten Lauf einfach clever gefahren, wenn man so will.

Es macht den Anschein, dass du dieses Wochenende nicht die Limits gepusht und 100 Prozent gegeben hast – aber wäre da jemand angestanden, hättest du viel Spielraum zum Anziehen des Tempos gehabt, oder?

Ja. Ich hatte Spaß. Ich habe nicht alles gegeben und fuhr in meiner Wohlfühlzone. Das war richtig toll. Und das ist immer ein sehr gutes Gefühl. Wenn du weißt, dass du nicht alles aus dir raus holen musst und immer noch vorn bist, ist das das beste Gefühl, dass es gibt.

(ConwayMX)

Bist du dieses Wochenende besser als das ganze Jahr gefahren?

Mir gefallen solche Strecken. Es war schön mal wieder so eine technisch anspruchsvolle Piste zu haben, nachdem die letzten paar MXGP-Läufe auf flachen und smoothen Strecken waren. Hier kannst du mit der Linie den Unterschied ausmachen, aber auch mit deinem Fahrstil. Ich hatte Spaß und es war ein großartiger Sieg. Ich war in allen Sessions Erster und auch drei Holeshots sind unglaublich. Darüber bin ich extrem happy, denn mit den Starts hatten wir zu Beginn der Saison echt Probleme. Jetzt wird das besser und die harte Arbeit daran zahlt sich aus.

WM-Stand. Du bist mit 33 Punkten Vorsprung her gekommen, jetzt sind es 83. Gehst du jetzt anders an die Rennen?

So will ich nicht denken, denn dann fühle ich mich nicht mehr wohl beim Fahren. Ich will in den Rennen spaß haben. Sicher muss ich jetzt etwas cleverer sein. Ich muss smart fahren, aber muss auch Spaß auf der Strecke haben. Ich will weiter Rennen und GPs gewinnen. Das ist das Ziel für die nächsten Läufe. Mir macht es gerade wieder richtig Spaß, Rennen zu fahren und so soll es weiter gehen.

(ConwayMX)

Du hast jetzt mehr oder minder freie Fahrt vor dir, da die Konkurrenz verletzt ist. Aber willst du nicht lieber mal Herlings auf der 450F schlagen, wenn ihr beide auf dem besten Level seid? Fehlt dir die Konkurrenz?

Ja na klar! Gegen Jeffrey bin ich noch nie gefahren, als wir beide 100-prozentig fit waren. Mit Tony schon. Tony war Anfangs der Saison stark – auf seinem besten Level. Jeffrey und ich haben uns noch nie auf der Strecke getroffen, als wir beide in Form waren. Ich hoffe, dass das bald mal passiert.

Du magst den Talkessel von Teutschenthal. Dieses Jahr ist aber auch viel über Streckenvorbereitungen diskutiert worden. Manche machen das für die vielen Verletzungen verantwortlich. Was denkst du darüber? Manchmal wurde zu viel Bearbeitet, dieses Wochenende blieb alles, wie es war…

Seien wir ehrlich, das wird doch niemals perfekt sein oder werden. Wir sind Menschen und jeder denkt da anders. Heute fand ich, dass die Strecke super vorbereitet war. So sollte es bei GPs sein. Ich glaube in Russland war es etwas zu eben, ohne Furchen und Bodenwellen. Ich glaube, dass die Crews, die die Pisten vorbereiten, definitiv ihr Bestes geben. Sie versuchen zwischen den Pausen so viel es geht zu tun, denn die Pausen sind zwischen den Läufen nicht so lang.

Wir haben viele Klassen an einem Wochenende, nicht nur die Weltmeisterschaft, sondern auch die Europa-Meisterschaft. In Russland und Lettland waren die Strecken für uns und die Weltmeisterschaft etwas zu eben, denke ich. Ich bevorzuge Pisten, wo du viele verschiedene Linien hast und wenn zwischen den Rennen nicht allzu viel an der Strecke gearbeitet wird. Das ist meine Meinung.

(ConwayMX)

Die Strecke hier sah schon ziemlich hart aus, das war besser, oder? Da können die Besten der Besten – wie du – mal richtig was zeigen. Es ist auch langsamer, wenn es so zerfurcht ist und das bedeutet weniger Risiko.

Ja, da stimme ich zu. Es war viel technischer. Auf so einer Strecke kannst du als Fahrer den Unterschied ausmachen, wenn du besser bist. In Russland waren die Top-20 von den Rundenzeiten her nur um zwei Sekunden oder weniger getrennt, da war alles eng. Wenn es eben ist, können alle pushen. Ich glaube, dass es so auch sicherer ist, weil die Pace nicht so hoch ist.

Als nächstes: Indonesien. Magst du diesen Lauf dort?

Ja, dort macht es immer Spaß. Das ist eine ganz andere Welt. Alles ist komplett anders! Ich freue mich darauf, besonders den ersten Lauf auf der neuen Strecke. Die ist für alle neu und ich bin gespannt, wie die aussehen wird. Der zweite Lauf ist in Semarang und die Strecke mag ich. Ich bin gespannt.

Interview: Lewis Phillips | Fotos: ConwayMX | Übersetzung: Toni Börner

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