Interview mit Dirk Grübel

Dirk Grübel über Fahrer, Verletzungen und Strecken-Präparationen

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MX Vice: Das beste Ergebnis seiner Karriere für Tom Vialle bisher – ihr müsst zufrieden sein!

Dirk Grübel: Absolut!Tom [Vialle] hat uns heute wirklich überrascht. Gestern hat es nicht so gut ausgesehen. Er hatte gegen Ende Probleme und hat auf der letzten Runde drei Plätze verloren. Das war schade, denn er ist auch ein Fahrer, der sowas hast. Alle Anstrengung umsonst. Aber heute hat er ein großes Herz gezeigt. Im ersten Rennen konnte er den Speed von Jorge Prado mitgehen.

Jorge hat ihn wahrscheinlich etwas gezogen, ihm die guten Linien gezeigt und das war auch für uns gut zu sehen. Er blieb bis zum Ende Zweiter. Im zweiten Rennen hatten wir erwartet, dass es heiß wird und er dann Probleme bekommt, aber er konnte den dritten Platz halten und ich den zweiten Tagesrang holen. Das waren die maximalen Punkte, die für ihn möglich waren.

(ConwayMX)

Tom kam ohne Erwartungen in diese Saison. Als er in Argentinien Siebter wurde, waren alle beeindruckt. Er holte dann ein paar Podeste – und jetzt wird das von allen von ihm erwartet. Musst du ihn auch manchmal daran erinnern, dass auch ein fünfter Platz noch gut ist?

Exakt. Unser Plan war es, mit ihm im ersten Saisondrittel in die Top-Ten zu fahren und dann an den Top-Sieben oder -Acht zu arbeiten – und am Ende des Jahres um die Top-Fünf. Er hat uns überrascht und nun gehen die Leute davon aus, dass einer, der schon zwei Mal auf dem Podest gestanden hat, das auch wieder tut. Wenn er Fünfter wird – was für den Stand seiner Karriere immer noch großartig ist – sagen die Leute schon, dass er Probleme hat, in einem Loch steckt – und was sonst noch! Die haben keine Ahnung, unter welchem Druck diese jungen Menschen stehen. Er kann damit aber gut umgehen, das hat er heute allen gezeigt.

Hat er manchmal ein Problem, sich auf sich selbst zu konzentrieren und macht sich zu viel Gedanken, was vor und hinter ihm passiert?

Ja. Heute war da etwas Gefahr da. Im zweiten Rennen, als Renaux und sogar Olsen näher kamen, bin ich sofort zu seinen Mechanikern und habe ihnen gesagt, dass er die fahren lassen soll, wenn die viel schneller sind – er würde es trotzdem auf das Podest schaffen, wenn er im Lauf Fünfter wird. Wenn er sich aber auf den Kampf einlassen würde, dann würde er auf die letzten zehn Minuten sterben. So fit ist er einfach gerade noch nicht, dass er zwei Rennen komplett durch pushen kann. Wir arbeiten daran und es wird besser – das kann man ja jetzt schon sehen. Wir sind auf einem guten Weg.

(ConwayMX)

Thema Fitness. Es ist eine lange Saison und sein erstes Jahr in einem Werksteam. Das bedeutet viel mehr Verpflichtungen – mehr Tests und auch mehr Rennen. Wird ihm das fitnesstechnisch vielleicht auf die Füße fallen?

Nein. Wir achten sehr stark darauf, dass wir ihn nicht über-trainieren. Das kommt eigentlich automatisch, wenn man so einen Terminkalender hat. Drei Wochen hintereinander helfen da nicht. Es wäre besser, den Fahrern etwas mehr Zeit zur Regenerierung einzuräumen. Aber er macht das gut. Die Rennen in den Niederlanden sind Tages-Events, die für ihn ein richtig gutes Training sind – mit Streckenposten und Rennaction. Das hilft sehr viel. Er lernt, wie er mit den Leuten um sich herum umgehen muss, das konnte er vorher nicht. Jetzt macht er sich nicht mehr so viel Stress.

Es ist ja aber auch ein gefährlicher Sport. Es nervt, dass Herlings außer Gefecht gesetzt ist – aber kann sich das ganze Team damit auf Tom konzentrieren?

Ich weiß nicht. Als Jeffrey zurück war, war er eigentlich entspannter, weil alle nach Jeffrey geschaut haben. Jetzt ist er wieder außer Gefecht, da schauen wieder alle auf Tom Vialle. Das ist eine Situation, in der er wachsen muss. Es ist nicht einfach in diesem Zelt hier zu stehen. Da hat jeder hohe Erwartungen und du musst normalerweise gewinnen – denn so war das hier immer. Aber das braucht auch Zeit.

Es fehlt halt einfach der Team-Leder. Er macht Urlaub. Das nimmt er ganz gut an, aber natürlich sieht man es ihm auch an, wenn Jeffrey nicht hier ist, dass er angespannter ist, weil alle rein schauen und dann eben Tom Vialle sehen. Das ist der Fahrer. Herlings ist verletzt und nicht da.

(ConwayMX)

Thema Herlings. Es gab die Chance, dass er nicht operiert werden muss, oder? Was hat Dr. Claes gesagt?

Es ist ein klarer Bruch. Es ist ein kleines Teil abgegangen und das haben sie mit zwei Bolzen fixiert, jetzt muss er sich erholen. Der Fuß ist wieder eingegipst – ich denke für zwei Wochen – und dann beginnt er mit der Reha. Das wird ein paar Wochen brauchen, ehe er wieder fahren kann.

Wir reden über Lommel oder Imola, so um diesen Dreh?

Denke ich mal, ja. Wir werden es nicht überstürzen. Das ganze Fußgelenk war davor schon noch nicht wieder voll stabil und jetzt haben wir es wieder eingegipst. Das hilft natürlich alles nicht. Wir werden nun definitiv nichts mehr überstürzen.

Wie geht es ihm mental? Zieht er sich zurück und redet mit niemandem mehr?

Nein, das nicht, aber er will es nicht wahr haben! Wie viel Pech kann man denn haben? Er hat mit der ersten Verletzung schon richtig Dresche bekommen und dann kommt das Comeback nach einer halben Saison – und zack! Die nächste Verletzung. Das war ein Schlag für ihn. Dieses Jahr ist abgehakt. Er will nicht mehr darüber reden. Er konzentriert sich jetzt schon auf die kommende Saison und will dort hundertprozentig fit sein.

(ConwayMX)

Man muss aber auch die guten Dinge sehen und das war, dass er in Kegums mit einem gebrochenen Fuß noch ein Rennen gewonnen hat – das könnte das beste seiner Karriere gewesen sein…

Das weiß ich nicht. Zu fahren, ohne zu wissen, was du hast – das zeigt, wie sehr er zurück will! Er wollte allen beweisen, dass er schnell zurückkommen kann. Das hat er vorher schon gezeigt. Er wollte aber auch beweisen, wie gut er ist. Auch das hat er wieder bewiesen. Er ist ein Tier. Wenn er auf dem Motorrad sitzt, ist er unglaublich.

Wenn wir ihn in oder um Lommel zurück erwarten dürfen: Das sind wenigstens drei Saisonstationen, die er verpassen wird. Bei Tony ist alles noch in der Schwebe, ob seine Saison zu Ende ist, oder ob er beim nächsten Rennen wieder kommt. Würdet ihr einen Ersatz verpflichten, so wie 2015 mit Shaun Simpson?

Im Moment kann ich das nicht sehen, wenn ich ehrlich bin. Nein. Jetzt mit den Übersee-Rennen haben wir schon einiges an Material nicht versandt und danach macht es keinen Sinn mehr jemandem für ein oder zwei Rennen ein Motorrad zu geben. Da kämen ja auch noch etliche Tests dazu, damit sich die Jungs auf dem Motorrad wohl fühlen.

(ConwayMX)

Dieses Jahr sind die Streckenvorbereitungen das große Gesprächsthema. Es gab viele Verletzungen und die Fahrer machen jene Prozedere dafür verantwortlich. Was meinst du dazu?

Uns hat es hart getroffen. In den letzten drei Wochen haben wir – wenn man so will – acht Fahrer verloren. Das ist nicht gut. Das ist auch nicht gut für den Sport. Wir gehen jetzt nach Übersee und einige Werks-Teams haben keine Fahrer. Das will niemand. Es ist schwer zu sagen. Natürlich – vor der MX2 war überall ziemlich viel Wasser, das ist gefährlich. Aber die Strecke muss auch für die MXGP halten. Wenn sie die dann vor den Top-Jungs noch mal Wässern, wird es noch gefährlicher.

Wir müssen einen Weg finden, wie wir Speed rausnehmen und es sicherer machen können. Die Fahrer müssten meiner Meinung nach etwas enger mit Rui Goncalves und Youthstream arbeiten, die sich um die Streckenvorbereitungen kümmern. Sie müssen ihre Ideen einbringen, wie wir den Speed runter bekommen, wie es am Untergrund schwieriger oder technischer wird, damit es nicht mehr so schnell ist.

Rui kümmert sich seit 2016 um die Streckenpräparation. Damals standen immer alle um ihn herum. Arbeiten sie immer noch eng zusammen? Irgendwie macht es den Anschein, dass sich da nicht mehr so viele – zumindest als Gruppe – einbringen.

Ich glaube es ist weniger geworden. In der Vergangenheit hat er sie zusammengerufen. Er hat auch gelernt, ganz klar, aber in solchen Situationen wie jetzt müssen sie alle zusammen an einen Tisch. Jeder sollte sein Feedback geben und sagen, was ihm gefällt und was nicht, was anders werden muss und wie wir die Rennen trotzdem flüssig halten können. Es sollen ja keine Stop-And-Go-Rennen werden, aber das Tempo sollte etwas runter. Wenn die Jungs heute stürzen, tut es weh.

Sollte es jeden Samstagabend ein Meeting und einen Anlaufpunkt geben? Wer kommen will kommt, und wer nicht, der nicht?

Genau. Das wäre eine gute Idee – meiner Meinung nach auf alle Fälle. Wir müssen die Fahrer da mit einbeziehen.

Text: Lewis Phillips | Fotos: ConwayMX | Übersetzung: Toni Börner

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