Interview: Jorge Prado

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Der Grand Prix von Indonesien war für Jorge Prado aus dem Red Bull KTM Factory Team einer der ereignisreichsten der Saison. Auch wenn er erneut den Tagessieg einheimsen konnte, sah sich der Spanier hier zum Einen mächtig unter Druck gesetzt und machte zum anderen auch selbst Fehler, wie er im exklusiven Interview mit MX Vicezum Besten gegeben hat.

MX Vice: Weiterer GP-Sieg – eigentlich für dich etwas ganz normales, aber heute musstest du hart dafür arbeiten.

Jorge Prado: Es war ein schweres Wochenende, besonders mit dem Wetter, heiß und mit hoher Luftfeuchtigkeit. Ich bin im erste Lauf gestürzt und habe mir damit das Leben selbst schwer gemacht – besonders weil ich einen perfekten Start gehabt hatte und in Führung lag. Ich musste mich erst wieder zurück in Führung kämpfen und das hat viel Energie gezogen. Trotzdem habe ich mich im zweiten Lauf gut gefühlt und war auch schnell wieder vorn. Aber dann haben sich Fehler eingeschlichen.

Ich bin zwei Mal von der Strecke abgekommen und alle sind an mir vorbei, ich war dann Siebter. Das war das erste Mal dieses Jahr, dass mich so viele überholt haben – aber ich konnte trotzdem zurückschlagen und noch Zweiter werden. Bei dem Wetter ist es schon schwer genug, bloß zu fahren, aber wenn man kämpfen muss, ist es noch schwerer. Und hier gab es auch nicht viele Überholmöglichkeiten.

(Ray Archer)

Naja, es gibt einige, aber die sind nicht leicht. Du musst richtig Druck machen, um da vorbei zu kommen. Die Strecke war auch ziemlich hart und rau. Mehr als Zweiter war dann nicht mehr drin, ich war auch am Limit mit der Kraft. Ich wollte auch nichts weiter mehr riskieren und noch mal stürzen. Ich bin zufrieden, aber nicht ganz happy mit dem zweiten Lauf.

Wurdest du nervös, als du so weit zurück gefallen bist?

Nein, ich habe mir einfach gedacht: Vor drei Runden war ich Erster, was ist passiert? Warum bin ich Siebter? Es sah dann richtig schlecht aus. Ich habe mich gut gefühlt und trotzdem sind alle an mir vorbei. Ich habe mir dann gesagt, dass ich der Weltmeister, schnell und stark bin – und mich motiviert, die wieder zu holen. Es ging dann langsam wieder besser und besser.

(Ray Archer)

Hat es dir vielleicht aber auch Spaß gemacht, alle wieder einzufangen? Sonst bist du immer alleine vorn und machst jede Runde das gleiche…

Ja klar, Spaß hat das gemacht. Aber es hätte mehr Spaß gemacht, wenn ich gewonnen hätte. Thomas hat aber hart Druck gemacht und er hat es ja auch in der Pressekonferenz gesagt: Sobald du vorn bist, brauchst du weniger Kraft, als wenn du kämpfen musst – so wie er es im ersten Rennen machen musste. Mir hat es Spaß gemacht. Normal starte ich ziemlich gut und muss nicht viele überholen. Daher bin ich im Überholen auch nicht der Beste.

Bist du überrascht, dass du so viele überholen und wieder so weit nach vorn kommen konntest?

Ja, das war gut. Es war nicht wie in Russland, wo ich von 15 auf 1 vor gefahren bin, aber es war gut. Es war ok. Ich habe alles gegeben. Zweiter und wichtige Punkte, Vorsprung ausgebaut – und ein weiterer GP-Sieg.

Im ersten Lauf hat Tom Vialle Druck auf dich gemacht – du hast alles gegeben, aber der Vorsprung ist nicht gewachsen…

Ich wusste, dass Tom dran ist und ich kam nicht davon. Ich wollte mir etwas Kraft für das zweite Rennen einteilen. Ich würde nicht sagen, dass ich gecruist bin, aber ich habe die Situation im Blick behalten. Ich habe die Pace gehalten, die nicht viel Kraft gebraucht hat, wenn man so will. Am Ende brauchte ich mehr Kraft als erwartet, nachdem ich gestürzt war und das Comeback fahren musste.

(Ray Archer)

Diese Strecke ist ziemlich interessant. Was denkst du insgesamt über sie? Und wenn du etwas ändern könntest, was wäre das?

Im Freien Training war es einfach unglaublich. Der Grip war gigantisch, du konntest so tief in die Kurven gehen und es war einfach perfekt. Aber es ist eine enge und kurze Strecke. Wir sind in den Trainings 1:28er Zeiten gefahren. Das ist einfach zu kurz. In Matterley Basin fahren wir um die 2:10.

Die meisten Strecken liegen um die 1:50 oder 1:55. Selbst in Kegums haben wir dieses Jahr um die zwei Minuten gebraucht. Daher mussten wir hier extrem viele Runden fahren, viel zu viele.

Gab es einen Abschnitt, wo du richtig den Unterschied ausmachen und Zeit gut machen konntest?

Ich glaube im Waschbrett, denn dort bin ich im zweiten Lauf an Tom vorbei. Der erste Abschnitt davon hat mir gelegen. Im zweiten habe ich langsam angefangen, wurde dann aber schneller. Die Strecke hat Spaß gemacht, ich würde da nicht viel ändern. Vielleicht ein paar mehr Linien wären gut. Aber das ist für alle gleich.

Und im Vergleich zu Pangkal Pinang, die für hier aus dem Kalender geflogen ist?

Wenn Pangkal Pinang nicht so schlammig gewesen wäre, wäre das eine schöne Strecke gewesen. Auch ein wenig eng, aber ein wenig weicher. Vielleicht hat es dort einfach zu viel geregnet. Ich habe hier nicht erwartet, dass sie die Strecke so gut im Griff haben. Das war gut.

(Ray Archer)

Du hast diese Woche für vier Jahre beim Red Bull KTM Factory Team unterschrieben. Wenn du gewinnst, geht es auf die 450F. Schon nächstes Jahr? Happy?

Ja! Der Deal ist schon ziemlich früh in der Saison entstanden, nach vier oder fünf Rennen haben wir angefangen zu sprechen. KTM kam mit Claudio de Carli auf mich zu. Sie glauben an mich. Sie kamen mit dem Angebot und wir haben angefangen zu sprechen – und jetzt habe ich vor zwei Wochen diesen großen Vertrag unterschrieben.

Ich freue mich, dass sie an mich glauben. Ich habe meinen ersten Titel mit Claudio geholt und hoffe, dass wir das dieses Jahr wieder schaffen. Es ist schwer zu gewinnen. Ich hoffe, dass alles gut geht und wir Ende der Saison wieder Weltmeister sind. Das ist mein Ziel. Die 450er werden eine schwere Klasse. Wenn ich dieses Jahr gewinne, kann ich nicht mehr in der MX2 bleiben.

Ich bin noch nie die 450F gefahren. Nur eine Runde mit Tonys Bike, aber das war nur zum rumspielen. Getestet hab ich sie noch nicht. Ich werde mehr Kraft in den Armen brauchen, die ist größer. Ich brauche auch Zeit. Jetzt bin ich 18, nächstes Jahr 19. Mein Körper ist vielleicht noch nicht so weit… andere in meinem Alter sind größer. Aber ich arbeite hart.

Wir müssen mit der 450F früh anfangen, um größer und stärker zu werden und damit ich mich auf dem Motorrad wohl fühle. Mit dem Motorrad musst du auch viel testen, um ein gutes Setup zu finden. Ich mache mir da aber keinen Stress und hoffe, dass ich mich schnell an das Motorrad gewöhne und dass es gut zu mir passt.

(Ray Archer)

Alle wissen: Du liebst KTM und KTM liebt dich. Zeigen nicht aber trotzdem auch andere Hersteller Interesse? Oder geben die gleich von vornherein auf, weil sie wissen, dass es keine große Chancen gibt, dass du KTM verlässt?

Ehrlich gesagt habe ich nur ein KTM-Angebot gehabt. Wahrscheinlich weil mein alter Vertrag eh noch bis 2021 ging. Ich glaube an KTM. Auch andere Marken sind da draußen sehr gut, aber die meiste Zeit meiner Karriere war ich bei KTM. Seit ich 11 Jahre alt war, also sieben Jahre lang. Das ist eine lange Zeit und ich fühle mich in dieser Familie sehr wohl. Ich bin zufrieden und hoffe, dass wir auch in den nächsten vier Jahren zusammen gute Ergebnisse einfahren können.

Habt ihr mit KTM auch über Amerika gesprochen?

Ich kann sagen, dass wir nicht über Amerika gesprochen haben, denn ich hatte bereits nach meinem Titelgewinn im letzten Jahr einen Plan, wie es weiter gehen soll, wenn dieses Jahr gut läuft. Im Moment läuft alles richtig gut und ich hoffe es geht bis Saisonende so weiter. Ich muss das betonen, denn man kann nie wissen, was passiert. Ein kleiner Sturz und du verletzt dich. Nach Argentinien lief alles gut und dann bin ich gestürzt. Hier sind alle schnell. Amerika war kein Thema. Ich habe vorher schon mit Claudio gesprochen und er wollte mich unbedingt und ich bin froh, hier zu sein.

(Ray Archer)

Wenn du Weltmeister wirst, musst du auf die 450F. Wenn jetzt aber noch etwas unvorhergesehenes passiert – bleibst du dann noch ein Jahr in der MX2? Oder bist du bereit für die MXGP?

Es ist 450-Time. Wenn ich den Titel nicht gewinne, weil ich mich verletze, ist das eine andere Sache, als wenn ich den Titel nicht gewinne, weil die anderen schneller als ich sind. Das kommt auf die Situation an. Wenn die anderen Jungs besser werden und mich schlagen, könnte das ein Grund für ein weiteres Jahr in der 250 sein. Das würde bedeuten, dass ich nicht bereit bin. Aber im Moment zeige ich, dass ich ziemlich stark bin und ich arbeite hart. Ich hoffe, dass wir auf die 450 wechseln können.

Interview: Lewis Phillips | Fotos: Ray Archer | Übersetzung: Toni Börner

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