Indonesien-Analyse: Jeremy Seewer

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Noch vor zwei Monaten hatte Jeremy Seewer auf keinem Königsklasse-Podest der MXGP-Klasse gestanden – jetzt fährt er regelmäßig auf das Treppchen. Die Ansprüche sind gestiegen. Seewer stand in Asien bei beiden Läufen auf dem Podium – und wie er MX Vice  verriet, steht langsam der Druck über eine Entscheidung für 2020 ins Haus.

MX Vice: Wieder Podest. Das erwartet man jetzt von dir. Aber hier das könnte man als dein bestes Rennen dieses Jahr bisher bezeichnen – du hattest die Chance auf den Sieg…

Jeremy Seewer: Ja, mein Speed war richtig gut. Beide Starts waren heute richtig gut, wie schon bei den letzten paar GPs. Die Pace ist da, meine Fitness ist ziemlich gut, trotzdem kann ich an manchen Punkten noch besser werden. Ich bin froh, wo wir stehen, besonders auf dieser Piste, die ziemlich tricky war. Du brauchst besonders bei der 450er Vertrauen in dein Bike. Da hatte ich gestern Probleme.

(Ray Archer)

Ich bin es zu safe angegangen. Ich war etwas steif und zu eng. Es war rutschig und der kleinste Fehler hätte teuer gekostet. Da bin ich heute zufriedener. Im zweiten Lauf habe ich am Ende zwei Plätze verloren, aber ich wusste, dass es für das Podest reicht und wollte nur sicher ins Ziel kommen. Klar habe ich versucht, Zweiter zu werden, aber die Punkte sind auch gut und am Ende zählt die Weltmeisterschaft.

Gestern warst du also nicht so gut? Du warst schnellster im Freien Training! Das ist doch ein guter Schritt!

Gestern früh hat mir die Strecke am besten getaugt, da war überall Grip und du konntest dem Motorrad vertrauen. Die beste Zeit im freien Training, das ist mir vorher noch nie passiert und es war schön, meinen Namen da oben zu lesen. Ein paar Jungs sind verletzt, aber das ist nun einmal so. Danach hat sich die Strecke stark verändert.

Gestern Nachmittag sind sie mit der Aufbereitung nicht mitgekommen. Heute war das besser. Noch immer rutschig, aber viel besser als gestern. Meiner Meinung nach war die Strecke im ersten Training im besten Zustand. Jetzt freue ich mich aber auf Europa.

(Ray Archer)

Erneut die Frage: Im zweiten Lauf warst du direkt hinter Tim Gajser… Konntest du etwas lernen?

Ja, ich habs versucht. Ich wollte kucken, was er macht, aber das ist nichts Besonderes. Er ist einfach auf einem etwas höheren Level, was seine Fitness und den Kurvenspeed angeht. Er hat heute auch einige Fehler gemacht, da konnte ich aufholen. Ich habe auch welche gemacht, klar. Aber Tim kann seine Pace bis zu den letzten Runden halten. Wir anderen sind am Anfang ziemlich schnell und können das Tempo dann nicht halten.

Bist du schon bei 100 Prozent? Oder kommt da noch was? Gibt ja nur noch ein Ziel für dich und das sind Siege…

Ich glaube niemand wird je bei 100 Prozent sein, denn irgendwas ist ja immer. Momentan fühle ich mich richtig gut, aber es gibt immer was zu verbessern. Das wird enger und enger und immer schwerer und schwerer, etwas zu finden – denn wir sind die Weltelite. Trotzdem versuche ich es, besser zu werden und mich weiter zu entwickeln.

(Ray Archer)

Die meisten sagen, dass das hier eine gute Strecke für Indonesien ist und wir hier kein besseres Layout kriegen können. Der Boden macht einigen aber Sorgen…

Diese Strecke, das Layout, der Rhythmus und die Sprünge sind beeindruckend. Nicht zu groß, nicht zu klein. Seit letztem Jahr ist einiges geändert worden, man konnte besser überholen. Nur der Boden, sowas habe ich nirgends zuvor erlebt. Das geht hier etwas in die Richtung von Gaildorf. Dort ist auch harter Tonboden – aber trotzdem weit entfernt von dem hier.

Es ist unglaublich, wie auf Eis eigentlich. Hart wie Stein, aber an manchen Stellen trotzdem mit höllischem Grip. Die Fußrasten sammeln so viel Ton auf, dass du sie gar nicht mehr sehen kannst. Das ist auch ein starkes Material, was du dann einfach nicht los wirst – das klebt wie Hölle, damit kannst du Häuser bauen.

Wir haben auch woanders harte Böden – in Frankreich, in Deutschland… aber hier ist das anders, richtig?

Ja, das kann man überhaupt nicht vergleichen! Hier gibt es keinen enzigen Stein, gar nichts. Niemand hat heute Handschützer eingesetzt, weil nichts hartes rum fliegt. Das hast du glaube nur hier. In Europa gibt es das nicht.

(Ray Archer)

Du hast diese Woche surfen gelernt – und typisch Rennfahrer: Warst dabei sofort gut!

Das hat mich selbst überrascht. Ich hatte eigentlich etwas schiss. Machst du das alleine, ist es egal, wenn du zehn Mal umfällst. Aber einer der besten Surfer der Welt war da und ich wollte ihn nicht enttäuschen. Das hat Spaß gemacht. Etwas ganz anderes – anderer Lifstyle, andere Mentalitäten. Wir haben uns gut unterhalten.

Diese Jungs gehen auch riskieren ein. Es ist brutal, 20 Minuten auf den Wellen zu reiten. Ich war auf einer halben Meter hohen Welle – und die machen das auf 20, 30 Meter hohen Dingern. Hut ab!

Das Hauptthema im Fahrerlager war dieses Wochenende: Was macht Jeremy nächstes Jahr?

Diese Diskussion wird gerade richtig groß, ja. Ehrlichgesagt kann ich das gerade ziemlich locker aus dem Kopf verbannen – das ist ein richtig schönes Luxus-Problem. Ich bin zur richtigen Zeit am richtigen Ort, habe keinen Vertrag, zeige gute Ergebnisse und bin Zweiter in der WM. Niemand anders ist so jung wie ich und hat keinen Vertrag. Aus der MX2 kommen viele, aber die werden erst Mal Mühe haben, denn es ist schwer, in die MXGP aufzusteigen.

(Ray Archer)

Und keiner dieser Fahrer war auf deinem Level, als du in der MX2 warst…

Ja, genau. Ich denke, dass es schwer ist, als Top-Ten oder Top-Five-Fahrer aus der MX2 in die MXGP zu kommen. Das ist ein schönes Problem, das kann ich aus dem Kopf verbannen. Trotzdem ist es jetzt, in den nächsten zwei Wochen, an der Zeit, eine Entscheidung zu treffen und zu schauen, in welche Richtung meine Zukunft geht. Definitiv bin ich gerade in einer guten Position.

Text: Lewis Phillips | Fotos: Ray Archer | Übersetzung: Toni Börner

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