Dirk Grübel über Vialle, Herlings und Kalender 2020

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Für Red Bull KTM Teamchef Dirk Grübel gibt es normalerweise bei jedem Grand Prix etwas zu feiern. Jeffrey Herlings ist immer ein Garant für Pokale – doch der ist verletzt und war in Asien nicht dabei. Dafür hat Rookie Tom Vialle angezogen und in der MX2-Klasse um den Sieg gekämpft. Mit MX Vicehat sich Grübel über die aktuelle Saison, die Fortschritte und den Kalender 2020 unterhalten.

MX Vice: Tom Vialle liefert. Das war nicht zu erwarten, denn er ist ziemlich kleine und war zudem noch nie in Indonesien, ist noch nie bei solchen Bedingungen gefahren. Stattdessen ist er auf einem neuen Level angekommen. Er ist der zweitbeste Fahrer dieser Klasse…

Dirk Grübel: Das hat uns auch überrascht. Letzte Woche waren wir überrascht. Er ist noch nie Überesse gefahren und kennt die heißen Bedingungen mit hoher Luftfeuchte nicht. Dann das Essen. Das macht uns allen immer wieder Probleme. Aber er hat sich sofort wohl gefühlt.

Er hat einfach geliefert. Er hat auch hier wieder konstante Rennen gezeigt und keine Fehler gemacht. Er hatte einen Ausrutscher, aber das lag auch an der Strecke. Zum dritten Mal in Folge war er Zweiter – beeindruckend!

Der Sturz in Moto 1 hatte auch etwas Gutes: Er konnte dann zeigen, dass er sich selbst pusht. Er glaubt jetzt an sich…

Natürlich! Er lernt. Er hat den schnellsten der Klasse als Teamkollegen und lernt viel von ihm. Er fährt oft mit ihm zusammen und klaut sich die guten Ideen, Linien und probiert herum. Er beobachtet auch die andere Konkurrenz und macht dann für sich das Beste daraus. Er macht sich keinen Stress.

Wenn er Prado unter Druck setzt – so wie in den letzten beiden Wochen – machst du dir dann Sorgen?

Nein, das ist schön zu sehen. Er schreckt vor großen Namen nicht zurück. Beide sind 18 und damit sehr jung. Bei beiden sieht es da draußen einfach aus und sie haben Spaß am Racing. Das ist unglaublich, dass sie in dem Alter schon auf diesem Level fahren.

(Ray Archer)

Im ersten Rennen von Palembang hat er erstmals Prado unter Druck gesetzt. Wie verhält er sich danach? Ist er nervös? Will er wissen, wo er verloren hat? Ist er stolz?

Nein, er gibt nur sein normales Feedback. Er will wissen, wo er schneller war und will lernen und hat Spaß. Für ihn ist das ein Spiel.

Klingt wie der wartungsfreundlichste Fahrer, den du jemals hattest?

Eigentlich schon, ja. Die ganze Familie fetzt. Wir alle mögen ihn. Er ist ein lockerer Typ und sorgt für eine tolle Stimmung. Wir haben Jeffrey derzeit nicht dabei. Das war ein Tritt in die Familienjuwelen. Das hat er vergessen lassen, es macht wieder Spaß.

Da kann man zur Vertragsverlängerung nur gratulieren, sonst hätten sich ihn andere geschnappt!

Das habe wir gleich gesehen. Du musst schnell sein. Alle anderen sehen ja auch, was wir sehen. Das ist noch nicht das Ende der Geschichte. Wir haben ihn für die nächsten zwei Jahre geholt, das ist gut, ich freue mich darauf.

(Ray Archer)

Was sagst du dieses Wochenende zur Strecke?

Die Strecke ist gut, eine natürliche MotoCross-Strecke. Selbst wenn sie handgebaut ist, haben sie die natürlichen Voraussetzungen genommen. Am Ende ist da ja aber jede Strecke gebaut. Die wachsen ja nicht einfach in der Landschaft.

Es ist eine der besten in Übersee. Alles andere ist flach und künstlich angelegt, hier wird die Landschaft genutzt. Das ist eine ziemlich gute Strecke. Die Präparation könnte besser sein, weil der Boden schwierig ist. Mit etwas mehr Wasser ist sie schön, aber bei Hitze trocknet sie schnell aus. Wenn die Piste etwas besser vorbereitet wird, kann es hier ziemlich gut werden.

(Ray Archer)

Stichwort: Übersee. Was sagst du zum Kalender 2020?

Wir haben im Sommer drei davon in Folge. Das ist zu viel. Schon vom Material her, da brauchen wir bei dreien mehr. Zweitens muss man auch mal an die Leute hier denken. Wir sind ein tolles Team, nicht falsch verstehen, aber jetzt hängen wir zwei Wochen zusammen. Jeder ist ein Mensch, da gibt es auch hier und da mal ein paar Konflikte, das ist normal. Wir sind ja nicht verheiratet. Das höre ich auch von anderen Teams. Ich – als Fan – wäre mit zwei Überseerennen auch zufrieden.

Könntest du dir jetzt vorstellen, weiter nach China zu reisen?

Nein. Das meine ich ja. Jetzt geht das alles noch. Zwei Rennen abgehakt, ab nach Hause.

(Ray Archer)

Das war also eine der negativen Überraschungen. Was waren die Guten? Spanien? Schweiz?

Ja, Spanien und Schweiz sind wieder dabei. Ich freue mich auch auf den neuen Motorsport-Komplex in Finnland. Es ist immer schwer, eine Strecke anzulegen, aber man weiß es ja nie. Dort oben gibt es viel Land, wir werden sehen.

Die Frage bleibt, ob das erste Rennen in Australien ist. Das wäre auch mehr Gereise. Auftakt in Australien und zweiter Lauf in Argentinien – das zehrt zu sehr an den Kräften, mit den vielen Zeitzonen und so viel Fliegen. Wir werden sehen. Es ist erst Juli, da vergeht noch Zeit und das wissen wir ja, dass sich da noch einiges ändern kann.

(Ray Archer)

Wie geht es Jeffrey?

Er hat wieder angefangen zu trainieren. Normales Fitness-Training. Er kann noch nicht wirklich wieder laufen, aber er schwimmt, fährt Fahrrad und sowas. Der nächste Check steht an und dann sehen wir weiter.

Man hatte schon Lommel gehört – aber wenn man dich jetzt so hört, sind drei Wochen vielleicht etwas wenig bis da hin.

Ja, das würde ich auch sagen. Er kann noch nicht laufen, geht an Krücken. Ich würde nichts überstürzen. Die WM ist weg. Es macht keinen Sinn, unfit wieder zurückzukommen, da sehe ich keinen Grund dafür. Wir warten, was bei der Untersuchung raus kommt und sehen dann weiter.

Italien oder Schweden Ende August? Das sind noch zwei Monate?

Klingt besser für mich, genau.

(Ray Archer)

Unglaublich, dass seine Saison dann quasi anfängt, wenn es für die anderen auf das Ende zu geht. Er ist dann frisch, während alle anderen müde werden…

Ja genau. Das müssen war aber danach sehen dann. Erst einmal schauen, wie es seinem Fuß geht und so. Ob er die Platte drin lässt oder ob das Metall raus kommt. Das ist noch nicht geklärt. In zwei, drei Monaten wissen wir da mehr.

Text: Lewis Phillips | Fotos: Ray Archer | Übersetzung: Toni Börner

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