Tim Gajser: Titel vertagt, gespannt auf Imola und Nations

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Nach seinem Sieg im Tiefsand von Lommel in Belgien stand Tim Gajser MX ViceRede und Antwort. Endlich konnte der Slowene im Sand gewinnen! Aber es gab auch andere Gesprächspunkte, wie Max Ansties Speed, rutschige Linien, der (noch) verpasste WM-Titel und das Motocross of Nations!

MX Vice: Für dich gab es heute mehr zu verlieren, als zu gewinnen. Hier kann so schnell alles schief gehen. In der WM-Tabelle hast du einen komfortablen Vorsprung, das wolltest du sicher nicht aufs Spiel setzen. Und trotzdem hast du gewonnen – dich hält niemand auf!

Tim Gajser: Kann man so sagen. Von diesem Wochenende habe ich nicht viel mehr erwartet. Wir haben hier immer Probleme, daher habe ich mich im Kopf schon darauf eingestellt gehabt. Aber irgendwie habe ich mich gut gefühlt, auch schon im Quali-Rennen.

(ConwayMX)

Heute war die Strecke extrem hart, da waren die Starts wichtig – die habe ich aber beide gut erwischt. Im zweiten Lauf war es gar der Holeshot. Ich bin echt zufrieden, wie ich mich im Vergleich zu den letzten Jahren im Sand verbessert habe. Eigentlich war es ziemlich überraschend, dass ich diesen GP mit zwei zweiten Plätzen in den Läufen gewonnen habe. Das passiert normalerweise nie.

Zweiter Lauf. Wie schwer war es für dich, dich unter Kontrolle zu halten? Als du dich scheinbar mit Rang zwei abgefunden hattest, machte Max Anstie die Tür wieder auf. Du hast kaum angegriffen…

Stimmt. Ich war ein paar Runden vorn und habe Max hinter mir gehört. Wir waren vom Dritten ordentlich weit weg und dann habe ich ihn vorbei gelassen. Ich brauchte keine unnötigen Risiken eingehen, schon gar nicht im Sand. Ich ließ ihn vorbei, hab ihn machen lassen und war ein paar Runden hinter ihm. Dann ist er gestürzt und ich war bis drei Runden vor Schluss wieder vorn. Als Max ran kam, wollte ich nichts mehr riskieren.

(ConwayMX)

Ich habe ihn vorbei gelassen, denn auf meiner Boxentafel haben sie mir gezeigt, dass ich auch mit zwei zweiten Plätzen den GP gewinne. Ich habe keinen Druck und wenige Fehler gemacht. Auf so einer Strecke ist es fast unmöglich, auf 35 Minuten gar keine Fehler zu machen. Es waren aber nur ein paar kleine. Es war schwer, aber ich war dann zwei Mal Zweiter und habe den Tagessieg geholt.

Dieses Wochenende war mal alles offen. Auf hartem Terrain bist du in einer anderen Welt. Max hat am Samstag alle stehen gelassen. Wusstest du, dass er hinter dir war?

Erst habe ich gedacht, dass er hinter mir ist, denn ich hatte eine KTM und weiße Kleidung gesehen. Nico und meinem Bruder hatte ich gesagt, dass sie mir keine Namen auf das Board schreiben sollen. Dann habe ich überlegt: Ist das Febvre, ist das Anstie? Sie sollten mir aber nur den Vorsprung und Abstand anzeigen.

(ConwayMX)

Ich hatte gedacht es war Max, aber es war Coldenhoff. Ich wusste nicht, dass er schon am Start raus war, er war extrem schnell. Das hat er im zweiten Lauf gezeigt, dass er Sandpisten im Griff hat.

(ConwayMX)

Hast du im zweiten Lauf etwas von ihm lernen können?

Na klar! Ich fuhr die Linien, wo er schneller war. Dort, wo meine Linien schneller waren, bin ich auf den geblieben. So musst du das einfach machen – wenn jemand vor dir ist, ist das einfacher. Da siehst du ja, wo er Zeit verliert oder wo du Zeit verlierst. Wo er schneller war, dort habe ich dann seine Linien genommen.

(ConwayMX)

Hattest du dieses Wochenende irgendwo Schwierigkeiten?

Ich hatte ein paar kleine Momente, aber keine Großen, wo ich sagen würde, dass ich Schwein hatte. Nein. Aber ich habe auch nicht übermäßig Druck gemacht.

Ich musste nie über 100 Prozent gehen, war immer bei 97, 98. Ich bin kein Risiko eingegangen und bin sauber gefahren.

Aus dem Team und von den Fans haben mich viele gefilmt und beobachtet und die haben auch alle gesagt, dass ich nicht ausgesehen hätte, als würde ich alles geben. Das war aber gut so.

(ConwayMX)

Am Freitag hat es stark geregnet. Wir war die Strecke im Vergleich zum Vorjahr?

Härter, würde ich sagen. Mit dem Regen im Sand war es schwerer. Es war auch härter, weil über Nacht nichts gemacht wurde. Die haben nur die Absprünge und Landungen etwas bearbeitet, der Rest wurde so gelassen.

Im Warmup habe ich mir dann schon gedacht: Kacke, wir müssen hier noch zwei Rennen fahren. Aber das war für alle gleich.

Auf den letzten fünf Minuten war es für ich auch richtig schwer, denn wenn das Ende des Rennens naht, machst du keinen Druck mehr. Du versuchst nur noch, um die Wellen herumzufahren. Das macht es aber schwerer, denn davor hast du einfach deinen Rhythmus und deine Pace und du donnerst einfach rum. Wenn du Tempo raus nimmst, fährst du gegen alles. Das ist schwerer.

(ConwayMX)

Mit dem WM-Titel hat es diese Woche noch nicht geklappt, aber in Imola musst du nur irgendwie um die zwei Punkte holen. Aufgeregt?

Nein. Wir sind nahe dran. Ehrlich gesagt bin ich froh, dass ich den Titel hier noch nicht geholt habe. Nächste Woche in Italien – das wird das Heimrennen für das Team und wir sind in der Nähe von Slowenien. Dort kommen viele Fans, ich denke, dass das eine gute Strecke ist, um den Titel zu holen. Also, wenn alles nach Plan läuft…

Ich bin hoch motiviert, werde normal trainieren. Wenn du anfängst zu viel nach zu denken und irgendwelche Risiken zu vermeiden, um dich nicht zu verletzen, dann geht es meist ganz schnell.

Jetzt geht es nach Hause und dort spule ich mein normales Training im Fitti und auf dem Motorrad ab.

Slowenien. Geht ihr zum Nations? Wie sieht da die Planung aus?

Ja! Das Team steht noch nicht ganz, uns fehlt noch der dritte Fahrer. Mein Vater wird wieder Team Manager von Slowenien. Mit Jan Pancar sind wir gut aufgestellt, er war hier im Sand in der MX2 in den Punkten.

(ConwayMX)

Ich bin gespannt und freue mich darauf. Letztes Jahr waren wir nicht in den USA, ich musste operiert werden und überhaupt. Dieses Jahr hoffen wir auf ein gutes Ergebnis.

Sollen wir dich beim Nations einfach für Slowenien in alle drei Klassen stecken?

Ja, beim Nations sind es immer drei Fahrer – da kannst du allein nichts reißen, auch die anderen Beiden müssen gute Platzierungen holen. Aber ich denke, wir haben dieses Jahr ein gutes Team, besonders im Sand. Ich denke, dass viele, viele Länder Probleme haben werden. Chancen sehen ich eigentlich nur bei Belgien und Holland. Die sind die Top-Favoriten.

Für das Nations hoffe ich nur, dass sie die Strecke etwas anpassen. Normal ist es dort sehr eng. Der Rest wird sich dann zeigen.

(ConwayMX)

Gutes Stichwort! Beim Nations gibt es oft auch viele zu überrundende Fahrer. Wenn die Strecke dann auch noch eng ist…

Genau. Wenn du von der Pist abkommst, bist du sofort auf dem Asphalt. Es ist dort ziemlich eng, besonders in der 180° Kehre nach Start-Ziel. Wir biegen auch in die Boxengasse der MotoGP ein und das ist extrem eng. Dann ist da noch die Schikane… ich hoffe, das wird alles anders…

Text: Lewis Phillips | Fotos: ConwayMX | Übersetzung: Toni Börner

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