Max Anstie stürzt zum ersten Laufsieg

· 5 Lesedauer
Die Alpinestars-Kollektion 2020 – jetzt auf 24MX!
Folge @MXVice auf Instagram.

Max Anstie verpasste beim Grand Prix von Belgien seinen ersten MXGP-Tagessieg nur knapp. Im ersten Lauf war er in der ersten Kurve gestürzt. Im zweiten Rennen gewann er. Anstie war das ganze Wochenende über der schnellste Pilot im Tiefsand von Lommel. MX Vicebat ihn zum Interview.

MX Vice: Du warst dieses Wochenende der beste Fahrer da draußen. Das würde auch Gajser und Febvre sagen. Reicht dir das – oder bist du traurig über den verpassten Pokal und Bonus-Scheck?

Max Anstie: Klar schmerzt der fehlende Bonus. Das ist frustrierend. Das war mein Wochenende! Es lag ja nicht einmal am ersten Rennen – es ist so lange her, dass ich am Start gestürzt bin. Ich bin gut aus dem Gatter gekommen, habe alles rein geworfen und es wurde eng. Seewer war auf der einen Seite, Gajser auf der anderen und Monticelli in der Mitte. Das sind alles gute Starter.

(ConwayMX)

Die waren dann ein kleines bisschen vorn, aber das war noch nicht mal das Problem. Seewer bekam dann einen Schubs, ich nahm das Gas raus und bin in sein Hinterrad gekracht. Ich habe auch noch jemand anderen getroffen.

Ich lag dann da und hab mich gefragt, was grad passiert ist. Ich wollte unbedingt den GP-Laufsieg. Ich habe das Motocross of Nations gewonnen, aber noch nie einen Lauf. Ich habe auch schon ein Quali-Rennen gewonnen, in Frankreich 2017. Der Sieg im Quali-Rennen hier war schön, aber das gibt keine Punkte. Heute hätte ich zwei Laufsiege holen können. Aber das ist nun mal so und lässt sich nicht mehr ändern.

(ConwayMX)

Im zweiten Rennen musste ich das dann schaffen, fuhr mit reichlich Frust im Bauch. Ich schnappte mir die Führung und habe alles gegeben. Vielleicht hätte ich es etwas ruhiger angehen sollen. Ich bin aber schneller und schneller geworden.

Ich habe aber eine komische Welle getroffen und kam quer. Da hatte ich mich schon auf Schmerzen eingestellt. Ich bin aufgeschlagen und mir blieb die Luft weg. Ich sah die anderen kommen, rang nach Luft. Ich wusste, dass ich ungefähr zehn Sekunden habe.

(ConwayMX)

Dann hat es mich gerappelt und ich habe das Bike aufgehoben. Die Bremse war verbogen. Ich habe eine Runde gebraucht um zu merken, dass die nicht mehr geht. Das war nervig. Ich nehme die oft, andere gar nicht. Ich musste mich schnell umstellen.

Meine Schulter und so, alles auch aus Lauf 1, tat auch weh. Ich habe mich zusammengenommen und den Sieg geholt.

Hattest du Angst, dass du das zweite Rennen nicht fahren würdest können?

Ich weiß nicht. Es hatte ziemlich weh getan, ich habe Sterne gesehen. Ich habe mich zwar nicht ausgeknockt, aber war schon hart auf dem Kopf gelandet. Meine Schulter hat mich fast umgebracht, aber nur die Muskeln. Das Motorrad war auch heftig angeschlagen, der Rahmen war verbogen. Ich hatte Sand in der Brille.

(ConwayMX)

Die Schulter schmerzte wirklich, ich habe dann Ibuprofen und Paracetamol genommen, ein paar Massagen bekommen. Vor dem zweiten Lauf gab es eine ordentliche Erwärmung. Ich war nervös, wie es laufen würde, aber interessiert hat mich das eigentlich nicht.

Als ich gut aus dem Gatter gekommen war habe ich gemerkt, dass es beim Fahren nicht weh tut. Auf der ersten Runde habe ich es noch gemerkt, aber danach habe ich das vergessen. In den nächsten Tagen wird das sicher schmerzen.

(ConwayMX)

Vor dem zweiten Rennen habe ich mit einem anderen verletzten Fahrer gesagt, dass es eine Katastrophe brauchen würde, dass du nicht gewinnst. Hattest du dieses Selbstvertrauen auch?

Ich gehe jedes Rennen so an. Heute habe ich den Job nicht zusammen bekommen, das habe ich mir im ersten kaputt gemacht. Ich habe nicht unter Kontrolle, was die anderen machen. Das hat mir für das zweite Rennen sicher keinen Vorteil gebracht.

Es ist ehrlich gesagt etwas leichter, wenn Herlings und Cairoli nicht dabei sind. Die wären schnell gewesen. Aber mein Motorrad hat richtig gut funktioniert.

Ich weiß, dass alle in Lommel trainieren. Aber die Strecke war anders. Wir sind 20, 30 Sekunden langsamer gewesen, aber die Streckenführung war fast gleich. Es sind ein paar Sprünge dazu gekommen. Im Training war ich hier unter 1:40. Jetzt knaupeln wir an 2 Minuten.

(ConwayMX)

Ich habe hier viele Runden trainiert und dann kommst du zum Rennen her und alles ist ganz anders. Das macht das Training sinnlos. Die anderen sind aber auch gut gefahren, haben ihren Job gemacht. Ich war nicht auf dem Podest.

Ich bin jetzt schon eine Weile in der MXGP und weiß, wie ich mein Motorrad für solche Bedingungen abstimme. Das war jetzt das erste Wochenende, wo ich einen guten Samstag hatte und das auf den Sonntag mitnehmen konnte. Und dann ist es trotzdem nicht nach Plan gelaufen.

(ConwayMX)

Letzte Woche habe ich in Loket dumme Fehler gemacht. Davor hatte ich einen neuen Motor getestet und wollte den unbedingt. Aber wir hatten den getestet, wo du besser mit einem Enduro unterwegs bist. In Loket hatte ich dann richtig gut Traktion.

Am Sonntag bin ich dann zum alten Motor zurück und war schneller. Aber da hatte ich ja schon die schlechte Gate-Wahl. Das war das ganze Wochenende über so. Das Team macht aber alles, was sie können für mich. Für dieses Wochenende aber hier wusste ich mein Setup. Wir haben im freien Training nur etwas an der Gabel geändert.

(ConwayMX)

Das muss ich mir jetzt auf anderen Strecken angewöhnen: Setup rein, Samstag und Sonntag das gleiche verwenden und gut. Der Sieg am Samstag hier hat mir Selbstvertrauen gegeben.

Du hast noch keinen Vertrag für nächstes Jahr. Jetzt sollte dein Telefon aber nicht mehr still stehen.

Ich weiß, ich weiß. Das ganze Standing Construct Team hat so viel für mich getan, das sind super-Leute. Ich weiß, dass Tim mit Robert Jonas spricht, da geht es um Budgets und so. Ich hoffe, dass es sich alles mit dieser Mannschaft ausgeht. Ansonsten muss ich mich umschauen. Es sind ein paar Teams in der Pipeline, aber ich habe allen gesagt, dass ich abwarte, was Tim mir anbieten kann.

(ConwayMX)

Es ist nicht leicht. Für ihn ist das Business. Für alle hier ist das Business. Es gibt nicht genug Teams für die ganzen Fahrer. Auch kommen Fahrer mit Sponsoren daher. Es ist hart. Ich muss davon leben und will bezahlt werden. Ich hoffe, dass ich noch ein paar solche Ergebnisse hole – und das auch konstant. Ich will um die Top-Drei der Weltmeisterschaft kämpfen.

Text: Lewis Phillips | Fotos: ConwayMX | Übersetzung: Toni Börner

Wir benutzen Cookies! Mit dem Nutzen dieser Website, erklären Sie sich mit unseren Cookies einverstanden!
Mehr
Fantasy MX Manager
Play & Win Prizes!