Jeremy Seewer: Schlaf am Gatter nach geholt

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Die Serie ist gerissen. Jeremy Seewer stand nach drei Rennen in Folge beim Grand Prix von Belgien nicht auf dem Tagespodest. Trotzdem sammelte er solide Punkte und wurde am Sonntag Gesamt-Vierter. Damit konnte er auch seinen zweiten Platz in der WM-Tabelle zementieren. Seewer war in Lommel auch einer der ersten Fahrer, die den größten Sprung tatsächlich nahmen.

MX Vice: Weiteres solides Wochenenden, wenngleich ohne Podest. Aber der vierte Platz auf dieser mörderischen Piste ist auch nicht schlecht. Gut für die Meisterschaft war das alle Male. Zufrieden?

Jeremy Seewer: Genau, mörderisch ist das richtige Wort. Ich hatte heute, wie alle, ein paar Schreckmomente. Ich glaube niemand reist aus Lommel ab und kann sagen, dass er sowas nicht gehabt hätte. Nach dem Regen vom Freitag war die Piste richtig tief, hart und mit vielen Schlägen versehen. Letztes Jahr war es trockener und damit flüssiger. Dieses Mal gab es keinen richtigen Rhythmus. Trotzdem hat es mir Spaß gemacht. Mein Set-up war okay, auch wenn ich ein paar Probleme hatte.

(ConwayMX)

Als Vierter bin ich zufrieden. Glenn Coldenhoff hat das Podest heute verdient gehabt, er war stärker. Am Start war ich schlecht, hatte einfach keine Reaktion. Im ersten Lauf habe ich den einfach verpennt. Aber ich war nach der zweiten Kurve schon Vierter oder Fünfter, das war echt gut. Im zweiten Lauf hat es ewig gedauert, bis das Gatter viel. Und dann habe ich wieder verschlafen.

Ich hatte in der Nacht zuvor kaum geschlafen, ich weiß nicht, warum. Ich habe einfach keine Ruhe gefunden. Ich war bis 2 Uhr wach und dann ab 5 wieder. Das kannst du in Lommel nicht gebrauchen. Den Schlaf habe ich dann wohl am Gatter nach geholt.

Ein Podest ist immer schön, aber ich glaube ich kann mit Platz vier zufrieden sein, das waren ordentlich Punkte, das war wichtig. Und ich bin gesund und munter.

(ConwayMX)

Im Qualifying-Rennen hast du mal richtig aufgezeigt. Schade, dass Arnaud Tonus im Weg war. Aber du hast gezeigt, was bei dir im Sand geht…

Ja stimmt. Aus irgendeinem Grund habe ich mich ab der ersten Runde gut gefühlt. Meine Trainingszeit war fast die Schnellste und da hatte ich schon einen richtigen Schnitzer drin, der mir rund eine Sekunde gekostet hatte. Im Quali-Rennen war Arnaud im Weg. Ich habe aber auch den Anfänger-Fehler gemacht, ihm viel zu viele Runden zu folgen.

Ich war komplett voll mit Sand und alle Abreißvisiere waren weg. Das Motorrad hat gekocht, weil der Kühler voll mit Sand war. Ich hätte eher vorbei gemusst, aber irgendwie sind an ihm alle gescheitert. Ich wusste aber, dass die Startposition hier nicht so entscheidend ist.

(ConwayMX)

Am Start geschlafen, auf Runde zwei dann Angriff. Du warst einige Runden lang der absolut schnellste da draußen…

Ich habe nicht weiter nachgedacht, denn alle haben mir gesagt ich solle ruhig bleiben. Das habe ich versucht. Ich glaube die anderen haben das auch so gemacht. Im ersten Lauf bin ich etwas zu enge Linien gefahren und habe damit Schwung verloren. Ich habe zwei gute Manöver gerissen, gegen Gautier Paulin und noch jemanden. Das war schön und sauber. Ich habe nichts verloren.

Zu einem Punkt habe ich fast zu Glenn aufschließen können, aber auf die letzten beiden Runden hat er angezogen. Das erste Rennen war echt anstrengend. Nicht, dass man mich hätte vom Motorrad heben müssen, aber es war richtig, richtig hart. Im zweiten Lauf war ich noch ruhiger. Ich habe versucht, flüssiger, mit mehr flow, zu fahren. Das hat eigentlich mehr Spaß gemacht. Ich bin auch nicht so müde geworden wie im ersten Rennen.

(ConwayMX)

Du hast den großen Sprung ganz genommen…

Das habe ich schon im Freien Training ziemlich schnell probiert…

Echt?

Ja. Der Kommentator hat gesagt, er hätte das noch nie jemanden machen gesehen. Ich hab das aber im Freien Training gemacht. Dritte Runde oder so.

(ConwayMX)

Gerade laufen die X-Games, vielleicht solltest du dort mit machen?

Ach was, wenn du mit dem richtigen Tempo ankommst, ist der Sprung am einfachsten. Du brauchst bei der Anfahrt etwas Kraft, aber danach kannst du dich in der Luft ausruhen. Das war schön. Nicht der Absprung, aber das alles dazwischen. An der Landung, das war schon kein Sand mehr, das Fahrwerk hat durchgeschlagen.

(ConwayMX)

Bei der EMX habe ich da ein paar Stürze gesehen. Aber mit dem Sprung war die Runde einfacher.

Die Entscheidung musstest du ja in der Kurve davor fällen. Hast du das jede Runde aufs Neue gemacht und dann gehofft, dass alles gut geht?

Nein, die Kurve bin ich jede Runde gleich gefahren. Wenn das Hinterrad gerutscht ist, musste ich den dann weg lassen. Auf der nächsten Runde war es dann wieder okay, Gang hoch und los. Auf einer Runde ging mir das Bike am Absprung etwas weg, aber da hatte ich den Speed schon. Da haben mich die Spurrillen gerettet.

Ich konnte dadurch nicht so weit springen, aber ich bin glücklicherweise auf dem Hinterrad gelandet. Alles gut. Sowas passiert in Lommel.

(ConwayMX)

Du wirst nicht viel sagen können, aber für nächstes Jahr scheint nun alles unter Dach und Fach zu sein. Bist du froh, dass dieser Stress jetzt vom Tisch ist?

Irgendwie schon. Wir haben jetzt eine Lösung, die für alle okay ist. Es gibt noch viele Fragezeichen, auch wenn es in eine gute Richtung geht. Es wird sich viel verändern. Natürlich gibt es auch noch Dinge, mit denen ich nicht zufrieden bin. Momentan habe ich echt ein unglaubliches Team und ich fühle mich mit allen wohl, sie haben einen mega-Job gemacht. Es ist schon schwer zu wissen, dass ich das alles verlieren werde, nach China ist es vorbei. Nächstes Jahr wird nichts sein, wie es war. Ich habe versucht, für meine Zukunft das Beste raus zu holen und zusammen zu stellen.

Text: Lewis Phillips | Fotos: ConwayMX | Übersetzung: Toni Börner

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