Gefahren: 2020er Yamaha

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Die Yamaha YZ450F steht in der MotoCross-Weltmeisterschaft für große Erfolge. Zehn Mal gewann Stefan Everts den Titel, 2008 holte David Philippaerts die MX1-Krone, 2015 wurde Romain Febvre auf diesem Motorrad MXGP-Champion. Am 2020 Modell der YZ450F hat Yamaha einige wichtige Änderungen und Verbesserungen in Punkto Motor und Chassis vorgenommen.

Für MX Vicekonnte Rob Holyoake die neue YZ450F auf der Piste von Teutschenthal in Deutschland testen. Die Strecke ist seit Jahren fester Bestandteil des MXGP-Kalenders und 2013 wurde hier auch das MotoCross of Nations ausgetragen – beste Voraussestzungen für einen Test auf Herz und Nieren.

Teutschenthal gilt als eine anspruchsvolle und harte Strecke, mit tiefen Spuren, bergauf- und bergab-Passagen. Hier braucht es einige Skills, um schnell zu sein. Und gleich vorweg: Mit der 2020 YZ450F war die Piste viel einfacher zu befahren.

(Yamaha Racing)

Auf der Strecke

Beim ersten Probesitzen fällt sofort auf, wie schmal und kompakt die YZ450F geworden ist. Der Lenker kommt serienmäßig etwas breit vor, doch beim Fahren selbst hat man das schnell vergessen, hinstellen auf dem Bike wurde damit einfach gemacht. Die Gabelbrücken wurden ebenfalls überarbeitet, sind etwas flexibler geworden und die Front schluckt die Schläge um einiges besser. Das machte sich vor allem darin bemerkbar, dass es beim Tester den gesamten Tag über keine Probleme mit Arm-Pump gab.

In der Kommando-Zentrale des Bikes ist alles auf Komfort ausgelegt. Man kann auf diesem Motorrad herumturnen und rutschen, hat Platz für die Beine und die Kontaktstellen zwischen Knie und Bike sind bei Stehendfahrt perfekt. Damit bekommt man schnell Vertrauen in die Maschine, denn der Fahrer spürt jederzeit, was das Motorrad unter ihm macht.

Für eine 450er fühlte sich das Motorrad extrem wendig an. Vorn fährt dieses Motorrad genau dort hin, wo man es hin steuert. Da machte sich die Gewichtsverlagerung zum Schwerpunkt hin klar – das ist beim Handling dieses Motorrades ein wichtiger Punkt. Das wird noch klarer, wenn man in der Luft ist. Der Schwerpunkt des Motorrades und die Leistung des 450-Motors harmonieren so dermaßen gut miteinander, dass man gerade beim Sprung nahezu keine störenden Kräfte bemerken kann.

(Yamaha Racing)

Gewöhnungsbedürftig war die Stellung der Fußrasten. Mit dem Aluminium-Rahmen sind die Rasten jetzt direkt im Rahmen verankert, anstatt an ihn angeschraubt. Unser Tester erwischte sich dabei, mehr auf den Rasten-Aufnahmen zu stehen, anstatt auf den Rasten selbst.

Die größeren Bremszangen machten sich natürlich bemerkbar, die YZ450F ankert wie verrückt. Aber das ist mit dem System richtig gut am Hebel dosierbar und liefert ein derartig gutes Feedback, dass man schnell geneigt ist, härter in die Bremse zu packen.

Die Motorbremse war eigentlich kaum spürbar, was der Balance des Chassis und dem Lastwechsel von Bremse zu Gas mehr als entgegenkam. Hinten ist das Motorrad unglaublich stabil, es gab kaum Anzeichen von Ausbrechen oder nicht unter Kontrolle zu haben. Lediglich das Pedal für die Hinterradbremse könnte zehn Millimeter länger ausfallen – aber das ist sicher Ansichtssache und persönliches Empfinden.

Weiteres Plus beim Bremsen sind die Gabeln. Die blieben wie gewünscht in oberer Stellung und trugen ihren Teil zur Ausbalancierung des Chassis bei. Schläge nach großen Sprüngen wurden perfekt weg geschluckt, es gab keine Situation, die einen in Gefahr gebracht hätte. Bei etwas harscher Kurvenanfahrt fühlte es sich etwas an, als würde der Bodenkontakt verloren, wenn einige Wellen in Folge zu schlucken waren.

(Yamaha Racing)

Aber das war dann nur eine Abstimmungsfrage und mit etwas Zugstufe blieb das Terrain wieder besser kontrollierbar. Außerdem wurde die Gabel von 10 auf 12 Millimeter durchgesteckt und damit war das Bike noch besser zu handeln. Geht man von der Stock-Variante aus, stecken in der Yamaha aber die besten Gabeln des Grundsetups – und das mit Abstand. Und wie sich gezeigt hat, reichten nur wenige, kleine Änderungen, um die Abstimmung nach Fahrergeschmack hin zu bekommen. Diese Gabeln nehmen es mit den ganz teuren Zulieferer-Teilen locker auf.

Hinten neigte das Serienfederbein etwas zum Tanzen, besonders auf schnellen Bumps. Auch hier wurde die Zugstufe dann auf das geringe Gewicht des Testers angepasst – und wider Erwartens war auch hier dann im Serientrimm das Bike unter Kontrolle gebracht. Kein schwänzeln mehr, perfektes „Schlucken“ der Landungen. Das Gefühl bei langsamerer Fahrt war eines der Besten, was wir je erfahren konnten. Und dort harmonierte das Fahrwerk auch perfekt mit den neuen Motor-Charakteristik.

(Yamaha Racing)

Beindruckend war nicht nur die Leistung des Motors, sondern auch die Nutzbarkeit. Mit dem vorhandenen Drehmoment wurde die Kupplung beim Fahren nicht gebraucht, nicht einmal in den engen Abschnitten. Die Leistung kommt von unten heraus brachial und macht ein aggressives Herausfahren auch aus engen Kurven spielend möglich. Selbst beim Aufreißen des Gases kam es nicht zu den erwarteten Ausbruchsversuchen, sondern die YZ450F fand immer genug Traktion. Der Motor funktioniert über das gesamte Leistungsband perfekt.

Damit sind auch viel weniger Gangwechsel angesagt – was den Vorteil bringt, dass man sich viel mehr auf Linien und Fahrtechnik konzentrieren kann. Lange Geraden bringen dann richtig Spaß – aus dem mittleren zum oberen Drehzahlbereich setzt noch mal richtig der Hammer ein und zaubert ein fettes Grinsen ins Gesicht des Testers. Stark. Aber zu keiner Zeit wild oder unzähmbar. Perfekt.

(Yamaha Racing)

Doch an der YZ450F ist nicht nur der Motor stark – die neue Yamaha wartet mit einem Mapping-Schalter auf und das war für uns das beste Feature. Es waren zwei Mappings auf das Motorrad gespielt und die können beim Fahren umgeschaltet werden. Damit wird die Motorcharakteristik angepasst – egal, ob sich die Streckenverhältnisse ändern, oder die Kraft nachlässt. Aber auch, wenn es zum Beispiel zu regnen anfängt, wie das bei einer der Test-Sessions der Fall war. Wir schalteten vom aggressiven zum sanften Mapping um und das Motorrad war sofort wieder unter Kontrolle zu halten. Die Maps können mit der Power-Tuner-App geändert und angepasst werden.

Insgesamt ist das Motorrad schon im Serientrimm mehr als konkurrenzfähig und vor allem fahrbar. Die Leistung ist nutzbar, das Bike hat ein stabiles Handling. Die zentralisierte Masse war eine der Prioritäten von Yamaha und ist spürbar, der Fahrer fühlt sich sofort wohl. Auch die neue Vorderradbremse ist ein spürbarer Schritt nach vorn und hat an diesem Motorrad mit am besten gefallen. Ein solches Motorrad, mit so viel Technologie, nutzerfreundlich zu halten und trotzdem mit wenigen Klicks auf die persönlichen Vorlieben einstellen zu können – das wird sicher jedem Fahrer gefallen.

(Yamaha Racing)

GYTR Kit YZ450F

Auch zum Test stand die YZ450F komplett mit GYTR Parts ausgerüstet. Bearbeiteter Zylinderkopf und Nockenwelle, Hochdruck-Kolben, Akrapovic-Titanauspuffanlage, Kupplung, Motorgehäuse, Unterbodenplatte, Kühler, Bremsen, Kupplungshebel, Bremsschützer und höherer Sitzbank. Eine lange Liste…

Der größte Unterschied zwischen dem Serien- und GYTR-Bike war das zusätzliche Drehmoment im unteren Drehzahlbereich. Damit konnte alles einen Gang höher gefahren werden. Die Traktion war immens und das macht definitiv schneller – und dabei hat sich alles so sanft und ruhig angefühlt. Auch dem Handling kam es entgegen, denn mit niedrigeren Drehzahlen stand auch das Chassis nicht so unter stress. Außerdem konnte das Fahrwerk optimal arbeiten.

(Yamaha Racing)

Zunächst etwas gewöhnungsbedürftig war die höhere Sitzbank – aber schon beim Aufsteigen war das spürbar. Damit lag auch der Lenker in einer optimaleren Position, der Wechsel zwischen Sitzend- und Stehend-Fahrt wurde deutlich einfacher, damit wurden alle Bewegungsabläufe flüssiger, besonders in den anspruchsvollen Passagen der Piste. Das GYTR ist gegenüber der Serienvariante klar noch mal ein Sprung nach vorn, besonders für diejenigen, die diesen Sport ernsthafter betreiben.

YZF250F

Ergonomisch fühlt sich die YZ250F nicht anders an, als die 450er – und das ist eine tolle Sache. Auf der Strecke ist ein Unterschied beim Handling erkennbar. Das Motorrad ist noch feinfühliger und lässt sich viel besser einlenken. Auch beim Pushen ist das Motorrad unglaublich wendig. Das boostet das Selbstvertrauen, das kann man nicht anders sagen.

(Yamaha Racing)

Beim Motor musste man die kleine Yam aber auf Drehzahl halten, der mittlere Bereich ist es, in dem sie gefahren werden will. Auch die Spitzenleistung ist top, insgesamt macht der Motor aber einen eher unbissigen Eindruck – was ja aber nichts schlechtes ist. Das Motorrad gibt einem das Gefühl, dass man locker ans Limit gehen kann. Der linke Fuß des Testers verfing sich aber ein paar Mal in der Auspuffschutzplatte. Meistens kein großes Problem – nur ein Mal musste angehalten werden, um den Fuß zu befreien.

GYTR Kit 250F

Zwischen der Serien-YZ250F und der GYTR-Getunten Variante ist wie Tag und Nacht – das Bike hat damit in allen Bereichen mehr Power. Die GYTR schiebt schon unten herum mächtig raus und hat im oberen Bereich und beim Überdrehen viel mehr Leistung. Das Bike könnte in einem Gang etwas länger übersetzt sein – was für den professionellen Racer einen Vorteil eines Sekunden-Bruchteiles bringen könnte. Mit dieser Variante konnte auch in manchen Abschnitten ein Gang höher gefahren werden, was es ermöglicht, mehr Speed durch die engen Kurven mitzunehmen. Das Motorrad ist aber perfekt ausbalanciert zwischen Leistung und Fahrbarkeit.

Text: Rob Holyoake | Fotos: Yamaha | Übersetzung: Toni Börner

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