Calvin Vlaanderen: MXGP oder Amerika!

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Bei Calvin Vlaanderen ist derzeit viel los – seine MX2-Karriere neigt sich dem Ende zu und derzeit fährt er auf einem absoluten Hoch. Trotzdem ist er noch auf der Suche nach einem Team für kommende Saison. Dass er das verdient, hat jetzt auch die Nominierung für das niederländische Team für das MotoCross of Nations unterstrichen. Bei Vlaanderen ist derzeit viel los – und im exklusiven MX Vice Interviewhat er uns nach seinem fünften Tagesrang beim Grand Prix von Italien verraten, was.

MX Vice: Gutes Wochenende für dich, besser, als es die Ergebnisse vielleicht vermuten lassen. Das war hier nicht die beste Strecke und du musstest wahrscheinlich mehr als alle anderen überholen. Du hast gezeigt, was du kannst…

Calvin Vlaanderen: Ja! Dieses Wochenende habe ich wohl den Kämpfer-Award verdient. Es war ein Up-And-Down-Wochenende. Ich habe geglaubt, dass ich in beiden Rennen etwas mehr zeigen kann. Leider spiegelt sich das nicht in den Ergebnissen wider. Ich habe mich eigentlich ganz gut gefühlt da draußen. Es war der erste GP in diesem Jahr, bei dem ich am Motorrad nichts ändern musste. Im ersten Lauf hatte ich einen schlechten Start und musste mich durchs Feld kämpfen, von außerhalbe der Top-20 zu Rang acht. Das hat mir für das zweite Rennen zu viel Kraft gekostet, und trotzdem konnte ich dort Dritter werden.

(Ray Archer)

Was war bei deinen Starts los? Die waren nicht gut. Normalerweise kannst du das besser…

Ja, das ganz sicher. Es fällt mir etwas schwer, von meinem Trainingsmotorrad auf das Rennmotorrad umzustellen. Die haben unterschiedliche Leistung. Da hatte ich Samstag Probleme, bin mit einem fetten Wheelie los gefahren. Im ersten Rennen war ich dann mit der Kupplung zu langsam und wurde in der ersten Kurve raus geschoben. Und dann hatte ich noch Pech, als vor der Ziellinie jemand vor mir gestürzt ist und ich eingeklemmt wurde.

Was hältst du von der Strecke in Imola?

Wenn das jetzt das neue Level für Strecken in der MXGP sein soll, dann geht es bergab. Es war richtig gefährlich und einfach grenzwertig. Das war nicht so, wie der Standard einer MotoCross-Weltmeisterschaft sein sollte.

Im Vergleich zum letzten Jahr wurde einiges anders gemacht. Es ist etwas langsamer geworden. Trotzdem war es noch schnell und unberechenbar. Sie haben es versucht, aber es hat nicht wirklich sollen sein…

Ja, sie haben es versucht. Für den zweiten Lauf haben sie einige Stellen glatt gezogen. Da habe ich mich gefragt, warum die das nicht das ganze Wochenende über schon gemacht haben, da war ein ziemlich guter Boden darunter. Im ersten Lauf hatte ich extrem viel Schlamm am Helm kleben – das war ein Schlammrennen.

(Ray Archer)

Hier wird mit dem, was da ist, alles gegeben. Aber schon vor dem Wochenende, hätten sie die Steine aus dem Sand sieben können, als das hier aufgeschüttet wurde. Am Freitag habe ich bei der Streckenbegehung Kopf-große Steine gefunden. Das ist gefährlich. Vielleicht brauchen sie etwas mehr Zeit für die Vorbereitung.

Hattest du grenzwertige Szenen, bei denen sich dein Leben vor dem inneren Auge abgespielt hat?

Ehrlich gesagt habe ich dieses Wochenende keine Risiken genommen. Ich hatte – naja, vielleicht nicht Angst vor der Strecke, aber ich war schon recht nervös. Wenn du von der Strecke fliegst, landest du auf Asphalt und das kann ganz schlimm weh tun. Ich habe nichts dummes gemacht, daher gab es solche Momente nicht.

Du hast ziemlich viel überholen müssen. Hattest du dafür einen Spot oder hast du auf Fehler der anderen gewartet?

Ich hatte da zwei Stellen, wo ich überholen konnte, aber das musste ich zwei Kurven zuvor schon vorbereiten. Wenn ich in den Kurven davor einen Fehler gemacht hatte, war das Manöver fast nicht mehr möglich. Wenn jemand vor dir fährt, musst du andere Linien nehmen – außen, innen und außen und innen. Für mich ist das gut, denn normal tue ich mich mit überholen schwer – das war heute also ein gutes Rennen für mich.

(Ray Archer)

War es hier letztes Jahr besser oder schlechter?

Ich denke schlechter. Ich bin besser gefahren, aber die Strecke war schlechter.

Nächstes Jahr wirst du nicht mehr für die HRC fahren können. Das ist bekannt, das ist ein Fakt. Was geht in der Richtung bei dir ab?

Ja, nächstes Jahr werde ich nicht in diesem Team sein und das ist etwas enttäuschend, weil ich denke, dass ich das verdient habe. Ich habe das in den letzten beiden Jahren gezeigt und doch etwas für Honda in der MX2 getan. Schade, dass es mit der MXGP bei ihnen nicht klappt. Aber das muss ich abhaken, nach vorn schauen und positiv bleiben und ein paar Ergebnisse holen. Ich weiß, dass da noch was auf den Tisch kommt.

Ich spreche hier mit ein paar Teams, aber auch in Amerika. Wir werden sehen, was passiert. Ich will klarerweise ein gutes Motorrad und ein gutes Team. Im Moment geht es mir gar nicht um Geld. Ich will nur meine Lebenshaltungskosten raus haben, mehr nicht. Ich weiß, dass ich in der MXGP nächstes Jahr in die Top-Ten und Top-Five fahren kann.

(Ray Archer)

Du bist ziemlich groß, da sollte dir die 450er eh besser liegen. Du bist auch ein bedachter Fahrer und bringst dich nicht ständig in Sturzgefahr. Das sollte der Klasse MXGP und dem Motorrad dort insgesamt alles ganz gut liegen…

Ja, ich denke schon, dass ich definitiv ein besserer 450-Fahrer wäre. Das werde ich nächstes Jahr zeigen. Ich denke, dass ich auf der 450 einige Leute überraschen kann. Ein paar Monate Vorbereitung und ich werde das Feld nächstes Jahr aufmischen. Ich freue mich darauf und bekomme hoffentlich ein gutes Bike und Team. Natürlich werde ich dort noch Erfahrung sammeln müssen, weil es mein erstes Jahr in der Klasse wird – wenn ich in Europa bleibe.

Wenn einer ein Mal gesagt hat, dass er in Amerika fahren will, dann hören die meisten gar nicht auf, davon zu sprechen. Bei dir kam diese Aussage vor Kurzem aus dem Nichts. Jetzt sagst du, dass du mit Teams sprichst…

Ja. Die Szene in Süd-Afrika, wo ich her komme, ist der amerikanischen viel ähnlicher. Sprache und so. Als ich aufgewachsen bin, haben wir mehr SuperCross und Outdoors geschaut, als MXGP. Das ist etwas Größer – wie es die Amerikaner halt lieben.

(Ray Archer)

Das wäre etwas Neues, eine neue Erfahrung, cool. Die Teams fragen dann immer als Erstes, wie ich im SuperCross bin, aber das bin ich zuletzt auf einer 65er gefahren. In Europa, mit dem ganzen Sand und immer MotoCross – ist das schwierig.

Wenn ich gehen sollte, dann werde ich vorher SuperCross trainieren. Wenn ich in diesem Team bleiben könnte, wäre ich mit Tim [Gajser] zum Monster Energy Cup gegangen, einfach um etwas zu trainieren und SX-Zeit zu bekommen.

MXoN: Die Entscheidung fällt zwischen Dir und Roan Van De Moosdijk für die MX2. Bist du dabei?

Das ist die Frage!

(Ray Archer)

Klar kannst du die nichts sagen, aber sollen wir mal schätzen?

Naja, die Situation ist lustig: Ich bin dabei, aber auch noch nicht bestätigt dabei.

Das macht gar keinen Sinn.

Genau. Ich werde beim Nations sein – aber ob ich fahre, ist noch nicht klar. Am Dienstag wird das bekannt gegeben. Da wird aber nichts dabei sein, denn der dritte Fahrer wird später verkündet.

Aber Herlings und Coldenhoff sind dabei.

So ziemlich ja.

Gut.

Es entscheidet sich zwischen mir und Van de Moosdijk.

Text: Lewis Phillips | Fotos: Ray Archer | Übersetzung: Toni Börner

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