Jeffrey Herlings spricht über sein Comeback

· 6 Lesedauer
Die Alpinestars-Kollektion 2020 – jetzt auf 24MX!
Folge @MXVice auf Instagram.

Es ist das erste Interview, welches MX Vicediese Saison nach einem Rennen mit Jeffrey Herlings führen konnte. Beim Grand Prix von Schweden war Herlings am Wochenende endlich zurück – und zeigte, dass er nach wie vor eine Bank ist. Das Qualifying-Rennen konnte er für sich entscheiden, in den beiden Rennen selbst sammelte er schon wieder Führungskilometer. In Uddevalla stellte er sich dann den MX Vice Reportern.

MX Vice: Endlich! Ein Interview zum Renntag! Dein Speed war gut…

Jeffrey Herlings: Ich habe die Einführungsrunde überstanden…

Genau, die Einführungsrunde überstanden! Und dann auch noch zwei Mal…

Drei! Am Samstag ja auch!

Sieht gut aus, du schaffst wieder ganze Wochenenden…

Und einen Sieg und einen vierten Platz. Und Arm-Pump.

(Ray Archer)

Interview fertig, oder? Alles zusammengefasst? Du hast ja erst am Mittwoch entschieden, dass du hier fährst, das war so eigentlich nicht der Plan. Und dann trumpfst du mit dem Sieg im Qualifying-Rennen auf, holst Holeshots und einen guten Speed…

Eigentlich haben wir das sogar erst Donnerstagmorgen entschieden, da bin ich immer noch am Fahren gewesen. Ich habe mit meinen Mechanikern gesprochen. Ich hatte im Training so ziemlich Glenn Coldenhoffs Speed und habe mir so gedacht: Der war bei den letzten Rennen der schnellste. Ich wusste, dass es nur ein Training war und dass wir hier in den Rennen einen anderen Rhythmus haben würden. Den Renn-Rhythmus habe ich noch nicht. Dass ich aber das Qualifying-Rennen gewinnen konnte, war schon total unerwartet. Das hat für den Sonntag aber auch Druck gemacht. Eigentlich hat mir niemand Druck gemacht, aber besonders im ersten Rennen… Davor hatten wir ja nur ein kleines Warmup.

Ich bin nur ein paar Runden gefahren und war nicht richtig warm geworden, besonders, weil ich keine Rennen gefahren bin. Nach zehn Minuten konnte ich vor Armpump das Motorrad kaum mehr halten. Das ging noch weitere zehn Minuten halbwegs gut, aber dann konnte ich nicht mehr richtig fahren. Ich bin dann noch gestürzt und mir ist jemand ins Motorrad gefahren. Da war die Hinterradbremse dann hinüber. Irgendwie war mir das dann egal, es hat auch keinen Sinn mehr gemacht, irgendwelche Risiken einzugehen. Im zweiten Rennen wollte ich dann nicht mal den Holeshot haben.

(Ray Archer)

Klar, ich wollte den schon, aber ich bin nicht schnell genug. Ich bin um Platz zehn rum gelegen und habe mich auf vier vorgekämpft. Febvre ist gestürzt. Für mich war es ein gutes Training und ein gutes Wochenende. Es ist besser als erwartet gelaufen, abgesehen vom ersten Rennen – auch wenn ich selbst dort 20 Minuten geführt habe. Über den zweiten Teil brauchen wir nicht zu reden. Es war ein gutes Wochenende, ich hatte keine großen Stürze und ich habe mich nicht wieder verletzt.

Als du nach den ersten 20 Minuten im ersten Rennen noch in Führung warst, hast du da an den Sieg geglaubt?

Nein. Ich weiß nicht, ich habe über die Hälfte des Rennens geführt, aber wenn du das Motorrad dann nicht mehr unter Kontrolle hast, wird es einfach gefährlich. Wenn ich selbst stürze, weil ich zu sehr gepusht habe, ist das okay für mich, aber ich will niemand anderen in Gefahr bringen. Als mir das Vorderrad weggerutscht ist, ist Arnaud Tonus über mein Bike gefahren und auch gestürzt. Das tut mir sehr leid für ihn.

(Ray Archer)

Er hätte nicht stürzen sollen, aber ‚That’s Racing!‘. Manchmal gewinnst du, manchmal verlierst du. Für mich war es ein gutes Training, nächstes Wochenende fahre ich ein weiteres Rennen und dann geht es in die Türkei. Ich hoffe, dass ich dort wenigstens in die Top-Fünf komme, vielleicht auch auf das Treppchen. Klar will ich noch einen GP-Sieg dieses Jahr. Mal schauen, was wir noch schaffen können.

Im zweiten Lauf ist es dir einfacher von der Hand gegangen? Oder hattest du wieder Armpump?

Nein, das war um Welten besser. Ein wenig hatte ich es noch, aber die zweiten Rennen sind immer etwas besser. Das braucht alles Zeit, das wird jetzt jedes Wochenende besser. Ich bin im Mai vier oder fünf Wochen gefahren und eine halbe im Juni. Jetzt waren es zwei Wochen. Die Jungs fahren seit Februar permanent – ich seither nur sieben Wochen.

(Ray Archer)

Es ist erst dein dritter GP gewesen!

Ich bin noch in der Saisonvorbereitung. Meine GP-Saison hat quasi noch gar nicht angefangen.

In den zwei Wochen, die du jetzt gefahren bist, hast du da auch auf hartem Geläuf trainiert?

Einen Tag.

Das reicht…

Naja, eigentlich waren es zwei. Zwei Tage auf hartem Boden und fünf im Sand. Es war aber auch keine wirklich harte Piste, aber auch nicht richtig Sand. Rutschig war’s, mit vielen Steinen. Das war ein gutes Training.

Ich hätte diese Woche auch in Frankreich trainieren gehen können, aber es gibt nichts besseres als ein Rennwochenende. Ich muss sowieso bald wieder gegen diese Jungs kämpfen und bis da hin hätte ich das Armpump-Problem nicht gehabt. Darum bin ich in letzter Sekunde doch hier angetreten.

(Ray Archer)

Im Qualifying-Rennen hast du mit den Achseln gezuckt und dich wohl gefragt, wo all die anderen geblieben sind?

Ich habe die ganze Zeit darauf gewartet, dass ich überholt werde. Meine Arme haben schlimm weh getan. Ich konnte mich nicht mehr auf dem Motorrad halten. Drei Minuten, eine Minute – noch zwei Runden, letzte Runde. Dann hatte ich es geschafft, dachte aber auch gleich: Gibt ja nicht mal Punkte!

Heute war es noch schwerer. Im Sand kannst du mit Armpump länger schnell sein, aber auf hartem Boden, besonders auf der Strecke hier… Insgesamt musst du fahren, fahren und fahren. Es wird nicht mehr lange dauern…

(Ray Archer)

Jetzt gilt es für Assen „Spot on“, oder? Du wirst vielleicht nicht bei 100-Prozent sein, aber du gewinnst ja jetzt schon wieder Qualifying-Rennen…

Nein, 100-prozentig fit werde ich nicht sein. Wenn ich bei 95 Prozent bin, reicht das für Siege. Im zweiten Rennen war ich auch nur 15 Sekunden hinter dem Sieger. Für einen Fast-Rentner wie mich gar nicht so schlecht. Ich muss mich definitiv beim Red Bull KTM Race Team bedanken, denn ich habe die erst Donnerstagmorgen angerufen.

Sie haben das alles möglich gemacht. Die haben ein Motorrad mit Liam Everts hier her gebracht, damit wenigstens alles da ist. Ohne sie, wäre ich nicht hier gewesen. Ein großartiger Job von den Jungs! Dafür will ich mich noch mit einem Sieg bedanken.

(Ray Archer)

Wo stehst du? 50 Prozent? 60? Die Arme bei 0 vermutlich.

Die Arme bei Minus-Eins. Fahrerisch vielleicht 60, 70 Prozent. Wenn ich eine Sekunde schneller fahren hätte können, hätte ich das erste Rennen vielleicht gewonnen. Ich war nicht schnell genug, das war Trainingsrückstand. Ich konnte meine eigene Pace nicht gehen und musste überall defensiv fahren.

MX Masters am Wochenende. Gibt es dort Aufwärmrunden? Müssen wir aufpassen?

Wenn Arminas Jasikonis dabei ist…

Der ist manchmal dabei, ja…

Ach ja? Dann freue ich mich auf die Aufwärmrunde. Nein, das war nicht sein Fehler. Ich bin hinter dem Sprunghügel gestürzt, er hatte versucht, mich nicht zu treffen. Da hat er einen guten Job gemacht, das überhaupt zu versuchen. Ich muss auf den Aufwärmrunden jetzt halt vorsichtiger sein. Dieses Wochenende habe ich überlebt, das ist doch schon mal was.

Text: Lewis Phillips | Fotos: Ray Archer | Übersetzung: Toni Börner

Wir benutzen Cookies! Mit dem Nutzen dieser Website, erklären Sie sich mit unseren Cookies einverstanden!
Mehr
Fantasy MX Manager
Play & Win Prizes!