Interview: Calvin Vlaanderen

· 6 Lesedauer
Die Alpinestars-Kollektion 2020 – jetzt auf 24MX!
Folge @MXVice auf Instagram.

Bei Calvin Vlaanderen geht es derzeit in großen Schritten nach vorn: In Schweden hat er wieder einen Laufsieg gefeiert und beendete den Grand Prix in der Tageswertung auf Rang zwei. Damit unterstrich er zum wiederholten Male, dass er gerade der zweitbeste Fahrer in der MX2-Klasse ist. Im MX Vice Exklusiv-Interviewhaben wir uns mit ihm darüber unterhalten – aber auch gefragt, was im Team Niederlande für das MotoCross of Nations gerade los ist.

MX Vice: Erster und vierter Platz. Der Laufsieg war keine Überraschung. Du in Imola schon gut dabei und jetzt hier dein erster Laufsieg seit Loket im letzten Jahr. Heute hat es aber für den GP-Sieg nicht gereicht, weil Tom Vialle zwei Mal Zweiter war.

Calvin Vlaanderen: Über die Laufsiege freue ich mich, das war lange her. Das war heute der dritte meiner Karriere. Diese Siege sind etwas Besonderes, sowas hast du nicht jeden Tag. In den letzten Wochen habe ich mich wieder gut gefühlt, nachdem ich vorher die Verletzung hatte. Ich war jetzt bei den letzten Rennen immer wenigstens ein Mal in den Top Fünf. Das ist cool, aber es geht noch besser.

(Ray Archer)

Ich glaube, ich bin noch nicht bei 100 Prozent. Ich kann noch besser werden. Am Samstag habe ich mich viel besser auf der Strecke gefühlt, als am Sonntag. Ich habe einfach versucht, locker zu fahren und konnte ziemlich schnell aufholen. Im ersten Rennen habe ich etwas zu viel gepusht, weil ich wusste, dass es am Samstag ging. Ich habe mit der Strecke und mit dem Motorrad gekämpft und zu viele Fehler gemacht. Ich hatte nicht so ein gutes Gefühl im ersten Lauf, konnte aber trotzdem zu Henry Jacobi aufholen.

Ich wollte an ihm vorbei, habe es aber nicht zusammen gebracht. Dieses Wochenende war es hier unglaublich schwer, zu überholen. Das zweite Rennen war etwas besser. Mit den Stürzen von Adam Sterry und Tom Vialle hatte ich etwas Glück. Aber hätte ich sie nicht unter Druck gesetzt, hätten sie diese Fehler vielleicht auch nicht gemacht. Ich wusste, dass ich Druck machen musste, um aufzuholen. Ich war ein klein wenig schneller. Dieser Laufsieg und der zweite GP-Rang ist ein ziemlich gutes Wochenende.

(Ray Archer)

Es war ein Jahr her – hat es Druck auf dich gemacht, hier die Chance auf den Sieg zu sehen? Es war für euch alle sicher auch die große Frage, wo Prado ist…

Sicher. Ehrlich, Prado war hinter mir. Ich wusste aber auch, dass selbst wenn er direkt hinter mir wäre, es schwer ist, zu überholen. Ich hatte dieses Wochenende einen ähnlichen Speed wie er. Er war vielleicht etwas schneller, aber auf dieser Strecke ist es schwer zu überholen. Ich habe mich aber auch nicht um ihn gekümmert, sondern nur um Vialle und Sterry vor mir. Vialle wusste, dass er den GP-Sieg holt, wenn ich an ihm vorbei gehe.

Das hatte ich auch im Hinterkopf und dass ich Druck machen muss. Er ist dann aber dran geblieben, als ich vor ihm war. Erst auf die letzten zwei Runden konnte ich es etwas lockerer angehen.

(Ray Archer)

Bei deinem Sieg in Loket letztes Jahr bist du richtig gut gefahren. Fährst du jetzt gerade besser, als je zuvor? Du bist zwar nicht konstant auf dem Podest, aber in Imola konntest du überholen, wo kein anderer überholen konnte. Und dabei bist du gerade erst von deiner Verletzung zurück.

Ich glaube nicht, dass ich in Bestform bin. Beim Sieg in Loket letztes Jahr bin ich sicher besser denn je zuvor gefahren. Das Gefühl hatte ich schon eine Weile nicht mehr. Samstag war es schon ähnlich, das Gefühl. Ich hatte das Gefühl, Druck auf Prado machen zu können und so was ist immer gut. Ich glaube aber, dass ich noch nicht am Höhepunkt bin und da noch einiges in mir schlummert. Dieses Jahr haben die Starts auf jeden Fall geholfen.

Das Motorrad ist auch besser geworden und damit die Ergebnisse konstanter. Ich war dieses Jahr bei allen Rennen, die ich gefahren bin, in den Top-Fünf und am Podest dran, das ist gut für mich. So konstant war ich noch nie. Ich war immer schnell, aber nie konstant. Das fühlt sich jetzt gut an. Ich weiß, dass ich da draußen zu den Schnellsten gehöre.

(Ray Archer)

Letzte Woche gab es das Gerücht, das HSF dich zu Standing Construct holen will. Davon ist genau gar nichts richtig.

Ja stimmt. Ich kann dazu nichts sagen. Eigentlich sind die ganzen Gerüchte schon relativ witzig. Ich kenne den Typen von HSF und der zockt gern. Irgendwer hat ihn gefragt: „Sponserst du Team X?" – und er sagt dann: „Man kann ja nie wissen!".

Der nächste erzählt dann: „Er sponsert die". Und dann geht's durchs Fahrerlager. Das war auf allen Webseiten und so. Ich weiß aber ja, was los ist – das wird nicht passieren. Ich glaube, HSF wird leider aufhören. Ich weiß nicht, ob ich das überhaupt sagen darf, aber ich glaube die hören auf. Das ist schade.

Du hast gerade aber ein Rennen gewonnen: Jetzt steht doch dein Telefon nicht mehr still, oder? Aber andersherum scheint es auch, dass jetzt Ergebnisse nicht mehr zählen – selbst wenn du die letzten vier Rennen gewinnst wird das deine Situation kaum verändern?

Das stimmt. Deswegen war ich heute vielleicht auch so gut, weil ich im Hinterkopf hatte, dass Ergebnisse jetzt auch nicht mehr viel bringen. Ich muss einfach fahren. Mir war sogar das Ergebnis egal, ich wollte einfach fahren.

(Ray Archer)

Natürlich will ich jedes Mal gewinnen und heute hat das geklappt. Die Situation ist gerade schwierig – zu viele Fahrer für zu wenige Teams. Alle schauen sich gerade um. Vielleicht hat mir der Sieg etwas geholfen, aber die guten Plätze sind ja alle schon weg.

Nations. Du bist einer von zwei MX2-Fahrern, die in der Vorauswahl sind. Was sagst du zu der Herangehensweise? Verwirrend, oder?

Ein wenig, denn jetzt ist die Entscheidung für sie noch schwerer. Alle schauen auf Team Niederlande und fragen sich, wer es wird. Egal, wie sich der KMNV und der Verband entscheiden, irgendwer wir immer sagen: Ihr hättet den anderen nehmen sollen.

Und wenn dann beim Nations selbst einer die Leistung nicht bringt, werden die anderen Fahrer das gleiche sagen. Wir haben noch ein paar Trainings und Roan Van de Moosdijk fährt, glaube ich, auch die Türkei und China. Dann kommt es auf die Ergebnisse an. Sie werden den besten Fahrer nehmen.

(Ray Archer)

Das wird Roan oder ich sein. Das wird ein starkes Team. Ehrlich ist das aber gerade nicht mal mein Ziel. Das Ziel ist ein Platz für nächstes Jahr, das ist für mich gerade das Wichtigste. Das Nations wird vielleicht cool und das Sahnehäubchen zum Saisonabschluss.

Wann testet ihr im Sand?

  1. und 20. September.

Das ist spät.

Das ist es. Wir werden das nur ein paar Tage vor dem Nations erfahren.

Es sind ja aber noch so viele Sachen dann zu tun – Ausrüstungen, Grafiken, Design…

Ja. Fox macht für mich schon alles fertig. Das Team selbst auch glaube. Schon etwas komisch. Die Motorräder müssen ja auch noch fertig gemacht werden. Ich glaube jetzt einfach, dass die Entscheidung hätte früher kommen müssen. Jetzt wird alles knapp und eng.

(Ray Archer)

China ist ein paar Tage davor. Da kommt ihr mit Jet-Lag zu diesem Test – das letzte, was du vor dem Nations brauchen kannst eigentlich.

Es ist, wie es ist. Ich kann es ja nicht ändern. Wir haben vier Trainingstage, den 19. und 20. und den 23. und 24. Es wird schon cool, mit Jeffrey und Glenn und Roan zu trainieren. Wenn ich dann nicht gewählt werde, bin ich wenigstens kostenlos trainieren gewesen – anders kann ich das gerade nicht sehen.

Text: Lewis Phillips | Fotos: Ray Archer | Übersetzung: Toni Börner

Wir benutzen Cookies! Mit dem Nutzen dieser Website, erklären Sie sich mit unseren Cookies einverstanden!
Mehr
Fantasy MX Manager
Play & Win Prizes!