Tommy Searle: Dachte, meine Karriere ist beendet

· 6 Lesedauer
Hol Dir die Alpinestars Monster MX-Kollektion!
Folge @MXVice auf Instagram!

Letztes Wochenende hat Tommy Searle den Meistertitel der MX1 in der Maxxis British Championship 2019 gewonnen. Im exklusiven MX ViceInterview spricht der Brite über diesen Titel, seine Zukunft und das bevorstehende MotoCross of Nations.

MX Vice: Glückwunsch zum Titel! Das war aber auch das, was man von Dir erwartet hatte, alles andere wäre eine Enttäuschung gewesen. Und dennoch: Du hast das jetzt mit einer massiven Schulterverletzung geschafft.

Tommy Searle: Definitiv! Ich hatte erst gedacht, dass Landrake ein paar Wochen vor der Türkei und China wäre. Aber war es gar nicht – also wusste, ich, dass ich irgendwie durch die beiden Rennen kommen muss. Ich habe mich in der Türkei dann schlimm verletzt. Eine Woche lang konnte ich meine Schulter nicht heben. Selbst heute vor einer Woche habe ich noch gedacht, dass ich keine Chance habe. Ich war beim MRT und beim Schulter-Spezialisten und die haben gesagt, dass sie nur geprellt wäre. Ich war ein paar Tage zuhause und dann haben ich wieder angerufen und gesagt, dass das nicht sein kann, dass sie nur geprellt ist.

(ConwayMX)

Ich habe gedacht: Das war’s! Meine Karriere ist beendet! Ich kann sie nicht mal hoch ziehen! Jedes Mal, wenn ich das versucht habe, ist sie einfach wieder runter gefallen. Dann hat es irgendwann angefangen, besser zu werden und dann ging es sehr schnell. Ich bin dann etwas Enduro gefahren. Ich kam zurecht und konnte auf dieser einfachen Strecke recht gut fahren.

Das wollte ich vor dem ersten Rennen noch machen, denn wir wissen ja nie, wie das Wetter wird. Insgesamt bin ich zufrieden, mein Team mit Matt und Evotech und Nige haben einen großartigen Job gemacht. Wir hatten in der Britischen Meisterschaft dieses Jahr ein kleines Team, aber die gesamte Saison über kein einziges Problem mit dem Motorrad. Ich hätte mir keine bessere Mannschaft zusammenstellen können. Ich hatte vor dieser Saison noch nie mit diesen Jungs gearbeitet. Dieser Titel geht in großen Teilen auf sie!

(ConwayMX)

Shaun Simpson hatte in einem Event zwei Motorrad-Schäden und ich bin nicht dumm. Ich weiß, dass er darum den Titel verloren hat. Ich habe die zweite Saisonhälfte mehr mit meinen Verletzungen gekämpft, eigentlich nur getan, was ich konnte, um den Titel nach Hause zu bringen. Ich war 2006 und 2007 in der 250 in der gleichen Situation – hatte den Titel schon fast und dann gab es mehrfach Probleme mit dem Bike. Es ist, wie es ist – Verletzungen, technische Probleme… Ein Meister-Titel ist niemals einfach. Bei der British Championship – auch in Hinsicht auf wie viele GPs es mittlerweile gibt – ist es schon schwer genug, für jeden Lauf gesund und munter zu sein.

Wie fühlt sich der jetzt im Vergleich zum ersten 2016 an? Dieses Mal waren einige Steine im Weg, mit Team-Wechsel und anderen Dramen…

Schwierig. Die Britische Meisterschaft zu gewinnen ist gut, ist schön. 2016 war es besser, denn da ging es zwischen mir und Shaun eng zu. Das Finale… Ich glaube es ging um einen Punkt. Es ist besser, es so zu gewinnen, wenn du bis zum Schluss kämpfen musst. Dieses Mal wusste ich, dass ich es in der Tasche habe und nur selbst weg werfen kann – was ich aber vor ein paar Wochen ja fast gemacht hätte.

Dieses Mal kam es nur darauf an, nichts Dummes zu machen und über den Tag zu kommen. Es ist natürlich schön, zu gewinnen. Besonders für Matt und Evotech, denn sie sind in dem Jahr mit Steven Lenoir gefahren, als er verstorben ist. Sie hatten mit Steven die Meisterschaft angeführt und ihnen bedeutet dieser Titel sehr viel.

(ConwayMX)

Bewegendes Schlusswort zur Britischen Meisterschaft! Als du in der Türkei gestürzt bist – war das ein harter Sturz oder bist du einfach nur unglücklich auf die Schulter gefallen?

Letzten Endes war es ziemlich schlimm. Ein kleiner Sturz, aber die Landung war richtig dämlich. Im Warmup bin ich in eine Rille gekommen, bin beim Absprung mit dem Schalthebel hängen geblieben und hatte bei der Landung den Leerlauf drin. Ich bin über den Lenker auf die Schulter geflogen. Ein ziemlich gefährlicher Crash. Ich habe dem Team dann gleich gesagt, dass ich meinen Arm nicht heben kann und sie wollten ihn hoch tapen.

Ich sagte aber, das tapen nichts bringt, ich ihn nicht heben kann. Es war unmöglich, weiter zu fahren. Einfach frustrierend! Ich bin schon so oft mit Verletzungen gefahren! In der Tschechischen Republik bin ich mit gebrochenen Rippen gefahren, deswegen gestürzt und habe mir die Hand gebrochen. Dann wollte ich damit zurück kommen. Wenn du auf diesen Strecken auf diesem Level fährst und nicht 100-prozentig fit bist, ist die Chance richtig groß, dich weiter zu verletzen. Das habe ich gemacht. Ich habe mich drei Mal verletzt, nur weil ich versucht habe, wieder zu fahren.

(ConwayMX)

Es ist unser Job, Rennen zu fahren und die Leute setzen einen auch unter Druck. ‚Oh, er ist verletzt! Aber er wird doch bezahlt, um zu fahren!‘. So ist das. Manchmal ist es schwer. Es wäre schön, wenn man auch mal aussitzen könnte. Verletzen, aussitzen und dann zurückkommen, wenn du wieder fit bist. Aber so läuft das nicht. Und dann machst du weiter Fehler. Ich habe mir die Rippe gebrochen, bin weiter fahren, und bin von gebrochener Rippe zu gebrochener Hand zu meiner Schulter gewandert. Es ist, wie es ist. Jetzt ist das Jahr aber rum und ich bin noch halbwegs zufrieden.

Bist du trotzdem zufrieden, wie es mit KRT gelaufen ist? Du warst angeschlagen, hast aber ordentliche Ergebnisse geholt…

Naja, nein. Nicht wirklich. Ich kann eigentlich gar nicht glauben, dass ich, so wie es mir ging, solche Ergebnisse geholt habe. Ich fühlte mich schrecklich. Vor diesen Rennen konnte ich nie trainieren. Ich habe alles versucht und die Ergebnisse sind unglaublich, eigentlich schockierend. Vielleicht konnte ich mit dem Motorrad auch einfach nicht schnell fahren, sondern musste es locker angehen. Und dann kam das alles ziemlich easy zusammen.

In der Türkei habe ich mich viel wohler gefühlt und auch wieder trainiert. Da habe ich im Qualifying-Rennen das Motorrad wieder überfahren und war wieder langsamer. Schwer zu sagen.

(ConwayMX)

Du bist beim Nations nicht dabei, aber ohne das Ding in der Türkei, wärst du angetreten, richtig?

Ich war verletz und habe mich nicht wohl gefühlt beim Gedanken daran. Ich wäre nur gefahren, wenn ich wirklich hätte zeigen können, was in mir steckt und um Großbritannien stolz zu machen. Dann ging es mir besser und ich habe Mark Chamberlain gesagt, dass ich es versuchen kann. Ich wollte nicht einfach nur fahren, um dabei zu sein, sondern nur, wenn ich gut abschneiden kann. Dann kam der Sturz auf die Schulter. Ich denke, dass das Team jetzt gut so ist, wie es ist. Ich hoffe, dass sie auf das Podest fahren.

Was ist mit nächstem Jahr? Keine GPs mehr? Kannst du irgendwas bestätigen?

Momentan nicht, nein. Aber ich glaube, dass es das war mit den GPs für mich. Mal schauen. Es sind noch einige Dinge offen. Vielleicht fahre ich doch wieder die ganze Saison. Im Moment laufen alle Gespräche. Ich bin aber ziemlich zufrieden damit, wie ich da stehe. Ich hatte eine lange GP-Karriere, seit ich 15 war. Dazwischen war ich in Amerika.

Ich habe viele 250er-Rennen gewonnen. Meine 450er-Karriere ist nicht wirklich so verlaufen, wie ich das erwartet hatte, aber so ist das im Leben. Ich bin dem Sport oder dem GP nicht böse. Ich bin gerne GP gefahren. Ich würde auch in der Zukunft gern noch ein paar fahren, aber momentan denke ich, dass ich den Deal nehmen werde, den ich auf dem Tisch habe. Ich bin glücklich darüber, wirklich glücklich.

Text: Lewis Phillips | Fotos: ConwayMX | Übersetzung: Toni Börner

Wir benutzen Cookies! Mit dem Nutzen dieser Website, erklären Sie sich mit unseren Cookies einverstanden!
Mehr
Fantasy MX Manager
Play & Win Prizes!